Effizientere Rohstoff-Exploration in Europa

Effizientere Rohstoff-Exploration in Europa: Das neue EU-Projekt VECTOR zielt auf evidenzbasiertes, frei zugängliches Wissen und soziale Akzeptanz.

Zusammenfassung

Europa importiert die meisten seiner Rohstoffe, die für erneuerbare Energien und digitale Technologien verwendet werden. Europa verfügt jedoch über eigene Vorkommen an wichtigen Rohstoffen, und eine Steigerung der heimischen Produktion würde dazu beitragen, strategische und industrielle Wertschöpfungsketten zu sichern. Ein neues europäisches Projekt, VECTOR, will die Akzeptanz und die Effizienz der Exploration in Europa verbessern, indem neue Technologien und Explorationsmodelle entwickelt und allen Beteiligten Leitlinien für eine nachhaltigere Metallbeschaffung an die Hand gegeben werden. Das Projekt wird vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) koordiniert und umfasst 17 Partner aus sieben Ländern, darunter auch das Deutsche GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ). Die EU und das Vereinigte Königreich investieren in den nächsten drei Jahren 7,5 Millionen Euro, um die Rohstoffversorgung Europas zu verbessern.

Der Bedarf an Rohstoffen für die grüne und digitale Transformation

Hochmoderne Technologien wie Elektroautos, Windturbinen und IKT-Hardware sind für die grüne und digitale Transformation von entscheidender Bedeutung, aber auch rohstoffintensiv. Die EU importiert 80 % ihrer Industrierohstoffe, die für die Herstellung dieser Technologien erforderlich sind. Nur 1 % der für die Windenergie benötigten Rohstoffe und 2 % der 44 in der Robotik verwendeten Rohstoffe werden derzeit in der EU selbst produziert. Diese Abhängigkeit von Nicht-EU-Ländern macht die industriellen und strategischen Versorgungsketten Europas sehr anfällig für Störungen. Um dies zu überwinden, muss Europa seine eigene Wertschöpfungskette verbessern.

Umweltfreundliche und minimalinvasive Explorationsmethoden sind erforderlich

Recycling und Wiederverwendung von Metallen nehmen zu. Dennoch ist weiterhin Bergbau erforderlich, um Rohstoffe in die zirkuläre Wertschöpfungskette der Zukunft einzubringen. Ein Bericht der Europäischen Kommission über kritische Rohstoffe empfiehlt, den Abbau von Schlüsselrohstoffen in der EU zu verstärken. Richard Gloaguen, Koordinator des Projektes beim Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF), erläutert: „Europa verfügt über ein beträchtliches Mineralienpotenzial, aber die Entwicklung wird durch das Fehlen nachhaltiger, schonender Explorationsmethoden und durch den gesellschaftlichen Widerstand gegen Mineralienprojekte eingeschränkt. Es besteht daher ein dringender Bedarf an umweltfreundlichen und minimalinvasiven Explorationsmethoden, um neue Lagerstätten zu identifizieren. Mit VECTOR werden wir neues Wissen generieren, um diese technischen und sozialen Hindernisse zu überwinden, das Rohstoffpotenzial Europas zu erschließen und die Widerstandsfähigkeit der EU-Rohstoffversorgungsketten zu verbessern.“

Integration eines stärker auf den Menschen ausgerichteten Ansatzes und Einbeziehung aller Beteiligten

Um die bekannten Hindernisse für die Exploration und den Abbau zu überwinden, müssen alle betroffenen Parteien gehört und überzeugt werden. Deshalb besteht das übergeordnete Ziel von VECTOR darin, evidenzbasiertes und zugängliches Wissen zu liefern, das die wissenschaftlichen und sozialen Wege zu einer erfolgreichen Mineralienexploration und -gewinnung integriert.

Um dies zu erreichen, werden drei Schwerpunkte untersucht:

  1. Die Entwicklung eines geologischen Vorhersage-Toolkits, das auf weniger invasiven geologischen, geochemischen und geophysikalischen Messungen basiert: Dabei handelt es sich um einen völlig neuen Arbeitsablauf, der maschinelles Lernen nutzt. Diese Herangehensweise wird in drei europäischen Sedimentbecken validiert und weltweit übertragbar sein.
  2. Eine Studie zur sozialen Akzeptanz, die erstmalig Parameter ermittelt, auf die sich die europäische Öffentlichkeit beruft, wenn sie über die Erschließung von Rohstoffen entscheidet. Das Ergebnis ist ein Index der sozialen Akzeptanz und ein neuer Wissensfundus, der die verschiedenen wertebasierten Perspektiven widerspiegelt.
  3. Die Entwicklung eines integrierten Toolkits, bestehend aus einer einzigartigen, verteilten, multimodalen, selbstlernenden und interaktiven Plattform. Dabei werden sowohl das geologische Explorationspotenzial als auch sozioökonomische Faktoren berücksichtigt, um zu einer Bewertung der Regionen zu gelangen, die sich besser für die Exploration und gegebenenfalls für den Abbau eignen.

Der Nutzen von VECTOR für die Gesellschaft in Europa

Das VECTOR-Projekt basiert auf der Prämisse, dass eine Voraussetzung für jede nachhaltige menschliche Aktivität darin besteht, die ökologischen und sozialen Kosten zu minimieren und alle Beteiligten in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Forschungsfokus des GFZ

Das GFZ leitet ein Arbeitspaket über „Geowissenschaftliche Vektoren“ zu verborgenen Erzlagerstätten in Sedimentgesteinen. Die Studie wird sich auf zwei Hauptuntersuchungsgebiete konzentrieren: die Zink-Blei-Systeme der irischen Midlands und den Kupfer-vererzten „Kupferschiefer“ in Spremberg, Deutschland.  Die Forschenden werden Hintergrundgestein, schwach mineralisiertes und mineralisiertes Gestein untersuchen, um die Veränderungen in den chemischen und geophysikalischen Signalen im Zusammenhang mit Erzbildungsprozessen zu verstehen.

Darüber hinaus werden sie die Nützlichkeit von umweltfreundlichen geophysikalischen Techniken wie die passive Seismik und die Magnetotellurik zur Darstellung der Struktur des Untergrunds, der Stratigraphie und der Sulfidlagerstätten in der Tiefe testen.

Andere Partner werden erste geologische Modelle, quantitative Mineralogie, Petrophysik und Hyperspektralaufnahmen von Bohrkernen beisteuern. All diese Daten werden dann in andere Arbeitspakete integriert, um innovative 3D-Modelle und eine interaktive Plattform für die Visualisierung der geowissenschaftlichen und sozialen Daten zu erstellen, die die Kommunikation und die Entscheidungsfindung der wichtigsten Interessengruppen wie der Industrie, der politischen Entscheidungsträger und der Öffentlichkeit ermöglichen.

Sarah Gleeson, Projektleiterin auf Seiten des GFZ: „Die sichere Versorgung mit Metallen für grüne Technologien wird ein Schlüsselfaktor für die Energiewende in Europa sein. Im Rahmen des VECTOR-Projekts wird die interdisziplinäre Forschung nicht nur innovative Forschungsergebnisse und Instrumente zum Auffinden dieser Ressourcen liefern, sondern auch wichtige neue Daten zu den ökologischen, sozialen und ordnungspolitischen Aspekten einer möglichen Nutzung dieser Ressourcen generieren.“

Die 18 Projektpartner

  • Helmholtz-Institut Freiberg für Ressurcentechnologie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) (Koordination)
  • Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ)
  • SFI Research Centre for Applied Geosciences hosted by University College Dublin (NUID UCD)
  • Agencia Consejo Superior de Investigaciones Científicas (CSIC)
  • Terranigma Solutions GmbH
  • Asistencias Técnicas Clave SL
  • KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH
  • Group Eleven Mining & Exploration Limited
  • EIT RawMaterials GmbH
  • Rio Sava Exploration Doo Beograd
  • Foundation Institute for the Study of Change
  • SRK Exploration Services Ltd.
  • Satarla Ltd.
  • Sazani Associates
  • Natural History Museum London
  • Teck Resources Ltd, Boliden Limited

(UD mit Material vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am HZDR)

 

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Sarah Gleeson
Leitung Sektion 3.1 Anorganische und Isotopengeochemie
Helmholtz-Zentrum Potsdam
Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Telegrafenberg
14473 Potsdam
Tel.: +49 331 288-27503
E-Mail: sarah.gleeson@gfz-potsdam.de

Dr. Richard Gloaguen
Projektkoordinator VECTOR
Abteilungsleiter Erkundung
Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am HZDR
Tel.: +49 351 260 4424
E-Mail: r.gloaguen@hzdr.de

 

 

Weitere Meldungen

Michael Pons knieend an einer felsigen Meeresküste. Im Hintergrund das Meer.

“Outstanding Student and PhD candidate Presentation (OSPP) Award 2022" für Michaël Pons

Lila Flagge wehend über einem Dachgiebel

Interviews anlässlich des „Purple Light Up 2022”

Kondolenzfoto von Kemal Erbas.

Nachruf auf Dr. Kemâl Erbas

Zwei Profilfotos und dazwischen das Logo des BMWK und ein Symbolbild für ein Textdokument

Wichtiges Signal für den Ausbau der Tiefen Geothermie

Deutschlandkarte mit qualitätsgecheckten Datenpunkten, dargestellt als Säulen

Deutschland: Mehr Wärme im Untergrund als bisher angenommen

P. Martinez Garzon in a forest next to a giant split rock

Dr. Patricia Martinez-Garzon gewinnt ERC Starting Grant für ihr Projekt QUAKE-HUNTER

Landkarte der Türkei mit eingezeichnetem Epizentrum des Erdbebens im Nordwesten des Landes

Hintergrund zum heutigen Erdbeben in der Nordwest-Türkei

Topographische Karte der Alpen.

Was treibt die Alpen nach oben?

Gruppenbild des ICDP/IODP Kolloquiums

IODP/ICDP-Kolloquium am GFZ

Lehrkräfte in Hörsaal bei Vortrag

„Extremereignisse im Erdsystem“ – 20. Herbstschule „System Erde“

Zwei junge Forschende stehen vor Bäumen und halten ihre Urkunden, daneben steht Ludwig Stroink, der die Urkunden verliehen hat.

GFZ Friends ehrt Theresa Hennig und Lei Wang mit dem Friedrich-Robert-Helmert-Preis 2022

Satelliten-Aufnahme einer Wüstengegend: Bunte Flecke zeigen verschiedene Minerale.

Deutscher Umweltsatellit EnMAP: Start in den Regelbetrieb

Links ein Messturm in niedrig bewachsener Tundralandschaft.

Mehr Methan aus Sibirien im Sommer

Profilfoto mit schwarzem Rahmen von Henning Francke

Nachruf auf Henning Francke

Gruppenbild des Projektverantwortlichen

Geodaten interoperabel machen und für neugiergetriebene Forschung nutzen: Das Projekt…

Schema Energiebereitstellung durch Geothermie

Europäischer Geothermie-Kongress EGC 2022 in Berlin

Gruppenfoto PAM

Internationaler Kongress zur polaren und alpinen Mikrobiologie

Leni Scheck Wenderoth

"AWG Professional Excellence Award" für Magdalena Scheck-Wenderoth

Ausbildung am GFZ

Berufsausbildung und duales Studium am GFZ

Erd und Erdinneres als Modell

Neues DFG-Schwerpunktprogramm zur Entwicklung der tiefen Erde über geologische Zeiträume

Dr. Ute Weckmann bei der Eröffnungsrede des Workshops

Dr. Ute Weckmann übernimmt den Vorsitz der IAGA Division VI

Anke Neumann auf einem Schlauchboot bei einem Forschungsaufenthalt

Dr. Anke Neumann ist Senior-Humboldt-Forschungsstipendiatin

Logo der Helmholtz Innovation Labs: nur ein Schriftzug

Erfolgreiche Zwischenevaluation der beiden Helmholtz Innovation Labs am GFZ

Schema abtauchender Erdplatten unter dem Ozean mit Wassertransport und der dabei beteiligten Al-Moleküle: So wandert Wasser tiefer in die Erde als bislang angenommen.

Wasser sickert tiefer in die Erde als erwartet

Aus der Luft ein Blick auf die Millionen-Stadt Istanbul und das umgebende Meer.

„Kein Beben kommt aus dem Nichts“

Gruppenfoto von der Verabschiedung von Onno Oncken

Ehrung von Prof. Onno Oncken mit einem wissenschaftlichen Kolloquium

DEUQUA Logo mit Mammut und Friedenstaube

DEUQUA 2022 Konferenz am GFZ

PAW Logo

Postdoc Appreciation Week

Gebäude im Winter aufgenommen, Isaac Newston Institut

Simons Stipendium für Dr. Monika Korte

Die Verteilung der seismischen Stationen auf einer Karte der Region.

Wie tief schläft der Eifel-Vulkanismus?

zurück nach oben zum Hauptinhalt