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Klimaschwankungen als Ursache für das Aussterben einer Seitenlinie des Homo Sapiens?

Das Ein­zugs­ge­biet des Lim­po­po-Flus­ses. Hier hat der ein Vor­fah­re des Men­schen, Pa­r­an­thro­pus ro­bus­tus vor etwa zwei Mil­lio­nen Jah­ren ge­lebt (Foto: MARUM – Zen­trum für Ma­ri­ne Um­welt­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bre­men)

Bisher ist nur wenig über die Klimageschichte des östlichen Teils von Afrika bekannt. Hier jedoch vermutet die Wissenschaft die Wiege des Menschen, weshalb sich ein genauer Blick auf das Klima lohnt, das eine wichtige Rolle im Leben und Überleben einer Art spielt.

Vor etwa zwei Millionen bis 900 000 Jahren vor heute lebte in Südafrika Paranthropus robustus, eine heute ausgestorbene evolutionäre Seitenlinie des Homo sapiens. Ein internationales Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, unter ihnen James Collins aus der GFZ-Sektion Geomorphologie, unter der Leitung der Universität Bordeaux hat nun die Klimageschichte Südostafrikas rekonstruiert und so mögliche Gründe für das Aussterben der Art untersucht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Klimatische Änderungen führen immer auch zu Umweltveränderungen, an die sich Lebewesen über die Generationen hinweg evolutionär anpassen müssen. Schaffen Populationen das nicht, stirbt mitunter eine ganze Art aus. Anhand eines Sedimentkerns, gezogen vor der Küste Südostafrikas, ging das Team auf Spurensuche. Hier mündet der Fluss Limpopo in den Indischen Ozean. Er spült Sediment samt enthaltener Mikrofossilien wie zum Beispiel Pollen vom Land ins Meer, das sich am Ozeanboden ablagert. Die Zusammensetzung des Sediments dient dann als Zeugnis der Klima- und Umweltbedingungen der Vergangenheit aus der Region, aus der das Sediment in den Ozean eingetragen wurde.

Das Team untersuchte unter anderem Wasserstoff- und Kohlenstoffisotope von Pflanzenwachsen und das Vorkommen von Pollen. Zusammen mit Daten aus früheren Studien konnten die Forscherinnen und Forscher so Aussagen über die Klimaänderungen der vergangenen 2,14 Millionen Jahre in Ostafrika treffen, also auch für den Zeitraum, in dem Paranthropus robustus lebte und schließlich ausstarb.

Demnach begann in Ostafrika vor etwa einer Million Jahre ein Trend zu trockeneren Bedingungen, der bis vor etwa 600 000 Jahren andauerte. Das könnte, so die Forschenden, dazu geführt haben, dass sich die bevorzugten Habitate der Hominiden aus eher feuchten Lebensräumen und Wäldern verkleinerten und vereinzelten. Die Gesamtpopulation des Paranthropus robustus wurde so wahrscheinlich in einzelne Gruppen aufgespalten und dezimiert, was schließlich zum Aussterben der gesamten Art geführt haben könnte. Die Änderungen im Klima waren somit vermutlich ein bedeutender Faktor für das Ende des Paranthropus robustus. (ak)

Originalstudie: Caley, T., Extier, T., Collins, J.A., et al., 2018. A two-million-year-long hydroclimatic context for hominin evolution in southeastern Africa. Nature. DOI: 10.1038/s41586-018-0309-6

Pressemitteilung des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen

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