Bericht | Der Helmert-Turm braucht Hilfe

Der Helmertturm (Foto: GFZ).

Der rostige Sockel des Meridianhauses (Foto: GFZ).

Das Meridianhaus (Foto: GFZ).

Das Innere des Meridianhauses (Foto: E. Gantz, GFZ).

Die Mirenhäuschen (Foto: GFZ).

Das Gelände des Telegrafenbergs in Potsdam schaut auf eine lange und bedeutende geowissenschaftliche Tradition zurück. Seit fast 140 Jahren wird hier geforscht: Hier steht die Wiege der wissenschaftlichen Geodäsie, der Seismologie und der systematischen Vermessung des Erdmagnetfeldes und hier liegt eine der Geburtsstätten der deutschen Meteorologie. Für den Besucher des Telegrafenbergs hat diese Geschichte auch heute noch sichtbare Gestalt, denn neben modernen Wissenschaftsbauten sind viele der alten Gebäude und Anlagen erhalten geblieben. Sie sind Zeugen einer Wissenschaft vergangener Zeiten, ohne die die moderne Wissenschaft nicht denkbar wäre.

Mit der Gründung des Geodätischen Instituts Potsdam im Jahr 1892 entstand auf dem Telegrafenberg ein Ensemble wissenschaftlicher Zweckbauten, das weltweit einzigartig war. Die aus Potsdam kommenden Anstöße zur Entwicklung der wissenschaftlichen Geodäsie beruhten wesentlich auch auf diesen baulichen Voraussetzungen. So wurde der Potsdamer Wert der Erdanziehung im heutigen Gebäude A17 („Helmert-Haus“) ermittelt und war als „Potsdamer Schwerewert“ von 1909 bis 1971 der global geltende Referenzwert der Erdbeschleunigung.

Zu dem Hauptgebäude A17 gehörte das „Observatorium für Astronomische und Geodätische Winkelmessungen“. Der heute baufällige Helmert-Turm war das zentrale Bauwerk dieser 1892/93 errichteten Gebäude. Neben dem Helmert-Turm stehen hier eins von ursprünglich zwei Meridianhäuschen, zwei Mirenhäuschen, ein Instrumentenhaus und ein Haus, das seinerzeit der präzisen Zeitmessung diente. Der Helmert-Turm selbst mit seiner Drehkuppel diente zur optischen Messung von geodätischen Winkeln innerhalb der preußischen und später der gesamten mitteleuropäischen Gradmessung. Er war der Nullpunkt der preußischen und - bis heute - der europäischen Landvermessung.

Im Gegensatz zum Hauptgebäude des „Geodätischen Instituts Potsdam“ (A17), das seit seiner Gründung immer genutzt wurde, fand sich für die Bauten des Winkel-Observatoriums keine bis heute andauernde Nutzung. Das führte dazu, dass alle diese oben genannten Gebäude dem Zerfall preisgegeben sind, eine weltweit einzigartige Anlage geowissenschaftlicher Zweckbauten droht zu verschwinden.

Jetzt nimmt sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dieses Observatoriumskomplexes mit globaler wissenschaftshistorischer Bedeutung an. Für eine Restaurierung werden rund eine Million Euro benötigt. Sollte es der Stiftung gelingen, Spenden in ausreichender Höhe einzuwerben, werden Turm und Begleitgebäude restauriert. Der Helmert-Turm könnte in Zukunft wissenschaftliches Denkmal und Aussichtsturm zugleich werden. Im Instrumentenhaus ließen sich beispielsweise museumspädagogische Angebote verwirklichen und das Meridianhaus könnte den Besuchern des Telegrafenbergs seine ursprüngliche Funktion demonstrieren. So würde der geschichtsträchtige Turm zu neuem Leben erweckt werden und dabei helfen, die Wissenschaftsgeschichte des Telegrafenbergs lebendig zu halten.

Webseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz>>

Mehr Informationen zur Geschichte des Telegrafenbergs>>

Broschüre zum Wissenschaftsspaziergang über den Telegrafenberg>>

18.09.2015, Ariane Kujau