Koyna-Bohrprojekt zur Erforschung induzierter Seismizität

Der Koyna-Staudamm, dessen Wasserauflast in der Vergangenheit Seismizität mit Magnituden bis zu 6.3 erzeugt hat. Foto: M. Bohnhoff, GFZ

16.01.2015: Im Rahmen des Koyna-Bohrprojektes in Indien wird die Bruchzone des grössten je durch ein Wasserreservoir ausgelösten Erdbebens in 6 km Tiefe erbohrt und beprobt. Bei dem Erdbeben der Magnitude 6,3 im Jahr 1967 waren 200 Tote zu beklagen. Bis heute kommt es unterhalb der benachbarten Koyna- und Warna-Staudämme zu erhöhter Seismizität mit jährlich hunderten Erdstössen mit Magnituden bis zur Stärke 5. Prof. Marco Bohnhoff, Arbeitsgruppenleiter für „Experimentelle und Bohrlochseismologie“ am GFZ wurde nun zum Ko-Projektleiter dieses Projekts gewählt.

Aktuell werden in der Region unter Leitung von Prof. Harsh Gupta vom indischen National Geophysical Research Institute bereits 10 Monitoring-Bohrungen mit Tiefen um 1,2 bis 1,5  km bis unter die Dekkan-Flussbasalte gebohrt und mit Bohrlochseismometern instrumentiert. Im nächsten Schritt werden dann, dem KTB- und SAFOD-Konzept folgend, zwei etwa 3,5 km tiefe Pilotbohrungen in die seismisch aktiven Zonen der beiden benachbarten Koyna- und Warna-Reservoire abgeteuft. Hierzu ist nun ein Vollantrag beim Internationalen Kontinentalen Bohrprogramm ICDP eingereicht worden.In beide Pilotbohrungen soll dann zunächst eine Bohrlochseismometerkette installiert werden, um die Seismizität bei wesentlich verringerter Detektionsschwelle zu erfassen und hochgenau zu lokalisieren. Nach Abschluss der Messphase sollen dann 2016 zwei etwa 6 km tiefe Hauptbohrungen direkt in die Ruptur des 1967er Bebens abgeteuft werden - ein einmaliges Vorhaben, das bisher unerreichte Messdaten und Erkenntnisse zur Genese von Erdbeben verspricht.