Sektion 2.2: Geophysikalische Tiefensondierung

Abgesehen von teuren Bohrungen haben wir keinen direkten Zugang zum Erdinnern. Das längste Bohrloch reicht gerade einmal 12.262 Meter tief. Verglichen mit dem mehr als tausend Mal größeren Erddurchmesser ist das aber nur ein Nadelstich in die oberste Haut der Erde. Wenn wir dennoch die geodynamischen Vorgänge in der Erde und in ihren Georeservoiren verstehen wollen, sind wir auf indirekte Messungen von der Erdoberfläche aus angewiesen. In der Sektion 2.2 beschäftigen wir uns mit solchen geophysikalischen Tiefensondierungen. Dazu gehören seismische und seismologische Messverfahren in Zusammenarbeit mit der Sektion 2.7. Wir verknüpfen sie mit innovativen Methoden und interpretieren sie gemeinsam mit Modellierungs-Gruppen. Durch Wiederholungsmessungen können wir dann die zeitliche Änderung von geodynamischen Prozessen und Zuständen in Reservoiren verfolgen und überwachen. Ebenfalls betreiben wir den Geophysikalischen Gerätepool Potsdam (GIPP) .

Unsere Ziele und Aufgaben:

  • Entwicklung von seismischen und seismologischen Methoden
  • Erkundung von Strukturen von der Reservoir - bis zur tektonischen Skala
  • Betrieb großer Infrastruktur für die Geo-Community
  • Entwicklung innovativer seismischer Messtechnik

Erdbebenwellen verändern ihren Lauf, wenn sie auf eine Grenzschicht zwischen zwei unterschiedlichen Medien innerhalb der Erde treffen. So haben die Gesteine des Erdmantels eine andere Dichte, andere Elastizitätseigenschaften und eine andere Temperatur, als das Gestein der darüberliegenden Erdkruste. Wenn seismische Wellen diese Grenze durchlaufen, werden sie gebrochen, gestreut, gebeugt und reflektiert. Diese Veränderungen schlagen sich als Einsätze in Seismogrammen nieder. Aus deren Analyse können wir Rückschlüsse auf die Lage und die Eigenschaften dieser Grenzschicht ziehen. Das geht nicht nur bei horizontalen Grenzen sondern auch in Gegenden, in denen Kontinente kollidieren, wie in Anden und Himalaya, in kontinentalen Bruchzonen und in großen Scherzonen mit hohem seismischem Risiko wie in Kalifornien oder am Toten Meer. Für sehr detaillierte Untersuchungen ist es oft nötig, neben den natürlichen Erdbebenwellen selbst seismische Wellen zu erzeugen. Als Quellen dienen dann große mechanische Vibratoren oder Sprengungen. Mit denselben mathematisch-physikalischen Verfahren wie auf den plattentektonischen Skalen lassen sich auch Geothermie-Lagerstätten, CO2-Speicher und unkonventionelle Kohlenwasserlagerstätten untersuchen und überwachen.

Weil die verschiedenen Schichten im Erdinnern auch elektrische Ströme unterschiedlich beeinflussen, geben elektromagnetische Wellen ebenfalls Auskunft über den Zustand des Erdkörpers. Eine zweite Forschergruppe in unserer Sektion hat sich auf solche magnetotellurischen Messungen spezialisiert. Auch bei diesen Untersuchungen geht es um die Ausdehnung und Tiefenerstreckung von Verwerfungszonen und die Abbildung und Überwachung von Georeservoiren.

Für die ausgedehnten seismischen, seismologischen und magnetotellurischen Messkampagnen unterhalten wir den Geophysikalischen Instrumenten Pool Potsdam (GIPP). Er ist weltweit der zweitgrößte seiner Art und er steht auch externen Wissenschaftlern kostenfrei zur Verfügung. Unser großes Ziel ist es, die wichtigen Prozesse im Erdinneren auf vielen unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Skalen abzubilden und im Rahmen interdisziplinärer Kooperationen zu verstehen.

Der "Geophysikalische Gerätepool" (Geophysical Instrument Pool Potsdam, GIPP) stellt seismische und magnetotellurische Geräte und Sensoren für gemeinsame Projekte mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen zur Verfügung. Der Pool wird von unserer Sektion betrieben. Er entwickelt Messgeräte und archiviert die gewonnenen Daten. mehr Informationen

Anfahrt mit dem PKW

Von Berlin nehmen Sie die B1 von Berlin-Wannsee oder die A115 Richtung Hannover/Leipzig, Ausfahrt Potsdam-Babelsberg. Folgen Sie der Ausschilderung "Zentrum", dann "GeoForschungsZentrum".

Von Hannover oder Leipzig über die A110/E30, nehmen Sie die Ausfahrt Potsdam-Süd/Michendorf dann weiter Richtung Potsdam auf der B2, nach dem Ortseingang Potsdam rechts ab in die Straße Am Brauhausberg, bis es wieder rechts ab in die Albert-Einstein-Straße geht.

Von Hamburg oder Rostock auf der A10/E55, Ausfahrt Marquardt nach Potsdam auf der B273, folgen Sie in Potsdam der Ausschilderung "Zentrum" und "GeoForschungsZentrum" bis zur Albert-Einstein-Straße.

Anfahrt per ÖPNV

Aus Richtung Ostbahnhof / Berlin-Hauptbahnhof /Berlin Friedrichstraße / Zoologischer Garten / Berlin Charlottenburg / Berlin Wannsee:
Regionalexpress RE1 (Richtung: Magdeburg Hbf oder Brandenburg Hbf) oder
Regionalbahn RB21/22 (Richtung: Potsdam, Golm Bhf)
oder S7 (Richtung Potsdam Hbf)
bis Potsdam-Hauptbahnhof.

Abfahrt S-Bahnhof Steglitz:
S1 bis Berlin Wannsee (Richtung Berlin Wannsee), hier umsteigen in den RE1, RB21/22 oder die S7 bis Potsdam Hauptbahnhof (siehe oben).

Von hier gelangen Sie per Buslinie 691 (Abfahrt vor Hbf-Haupteingang) zum Standort Albert-Einstein-Straße, Haltestelle "zum Telegrafenberg". Oder Sie gehen zu Fuß(Dauer circa 10 Minuten).

Von Flughafen Tegel (TXL) nehmen Sie den Bus X9 zum Bahnhof Zoologischer Garten, Umstieg in die Regionalbahn RE1 (Richtung: Magdeburg Hbf) oder RB21/ oder S7 (siehe oben) bis Potsdam-Hauptbahnhof.

Von Flughafen Schönefeld (SXF) nehmen Sie die Regionalbahn RB22 (Richtung: Friedrichstr Bhf / Potsdam Hbf) bis Potsdam-Hauptbahnhof.

Michael Weber
Sektionsleiter
Prof. Dr. Michael Weber
Geophysikalische Tiefensondierung
Albert-Einstein-Straße 42-46
Gebäude A 42, Raum 104
14473 Potsdam
+49 331 288-1250
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