Spannungs- und Deformationsentwicklung im seismischen Zyklus

Um die geodynamischen Prozesse an seismisch aktiven Plattenrändern zu verstehen und zu quantifizieren, ist die Beobachtung der Oberflächendeformation in der inter-, ko- und postseismischen Phase von zentraler Bedeutung. Wir verwenden hierzu Zeitreihen aus den Beobachtungen der Satellitengeodäsie, um die Spannungsakkumulation, Umlagerung und Relaxation zu verstehen (Bedford et al. 2016; Li et al. 2017). Insbesondere untersuchen wir die Möglichkeiten, physik-basierte Szenario-Erdbebensimulationen in die probabilistische seismische Gefährdungsabschätzung einzubeziehen (Heidbach et al. 2013). Die Testregion hierfür ist die seismische Lücke ca. 15 km südlich von Istanbul entlang eines Segmentes der Nordanatolischen Störung. Hier wird seit dem letzten Starkbeben im Jahr 1766 Spannung akkumuliert und ein Starkbeben M>7 erwartet (Hergert & Heidbach 2010). In Chile konzentrieren sich unsere Arbeiten derzeit auf die räumlich-zeitlichen Spannungsumlagerungen und die Ursachen der lateralen Begrenzung der Subduktionsbeben mit besonderem Fokus auf die Bedeutung der Porenfluiddruckentwicklung an den Plattenrändern (Moreno et al. 2014).