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Wärmewende: Geothermie ist eine Option für die zukünftige Fernwärmeversorgung in Städten – auch in Berlin

Berliner Energietage 2018 (Foto: Dirk Heckmann).

Was kostet die Energiewende? Unter diesem Titel hat das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ im Rahmen der Berliner Energietage eine öffentliche Diskussion zu Optionen für die nächste Phase der Energiewende veranstaltet.

Durch den Ausbau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen, die Einführung neuer Technologien und die notwendige Pufferkapazität wird das Stromsystem technisch wesentlich komplexer als heute. Jährlich entstehen beträchtliche Mehrkosten, sie betragen – bei aller Unsicherheit– im Mittel zwischen ein und zwei Prozent des heutigen deutschen Bruttoinlandsprodukts. So lautet eine Kernaussage aus dem Projekt „Energiesysteme der Zukunft“, das von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften erarbeitet wurde. Damit stellt sich die Frage: Wie kommt die Energiewende trotzdem voran?

Ausgehend von einem Impulsvortrag von Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (die fünf „Wirtschaftsweisen“) diskutierten hochrangige Berliner Akteure über Lösungsansätze für die Hauptstadtregion: Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD); Markus Witt, Vice President Vattenfall Wärme Berlin; Ernst Huenges, Leiter Geothermische Energiesysteme am GFZ; Matthias Willenbacher, Vorstand der 100 prozent erneuerbar stiftung sowie Christoph M. Schmidt. Die Debatte wurde moderiert von Norbert Lossau von der Tageszeitung Die Welt.

Für ein Gelingen der Energiewende ist eine Wärmewende notwendig, davon sind alle Teilnehmer überzeugt. Der Wärmemarkt ist jedoch sehr heterogen. Dadurch entstehen große Herausforderungen, die bisherigen Fortschritte sind unzureichend.

Schmidt vertritt die These, dass Wärme und Mobilität elektrifiziert werden müssten, um das Kernziel einer Reduktion von Kohlendioxid zu erreichen. Die jährlichen Kosten dafür sieht er bei ca. 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Eine zentrale Forderung von Schmidt ist ein einheitlicher Preis für Kohlendioxid-Emissionen, gleichsam als Vergleichsmaßstab oder Wechselkurs. Der Markt werde dann die notwendigen Sektorenkopplungen quasi von alleine regeln, meint er.

Berlins Finanzsenator Kollatz-Ahnen verweist darauf, dass der Berliner Senat bis 2021 rund 94 Millionen Euro im Rahmen des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 (BEK2030) bereitstellt. Mit dem rasanten Bevölkerungswachstum steigen auch die Anforderungen an die Berliner Infrastruktur. Für eine lebenswerte Stadt sind beispielsweise Investitionen in ein umweltbewusstes Transportsystem und eine nachhaltige Energieversorgung zentrale Bausteine. Diese zusätzlichen Investitionen erreichen Milliardenbeträge. Ziel des Berliner Senates ist die klimaneutrale Stadt bis 2050. Hierfür stellt das Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 einen Fahrplan bereit.

Markus Witt ist davon überzeugt, dass die Fernwärme einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende leisten kann. Sie soll weiter ausgebaut und in Berlin bis 2040/50 ungefähr verdoppelt werden. Bis 2030 sei eine Dekarbonisierung der Wärmeversorgung möglich. Strom werde wieder eine größere Rolle bei der Raumheizung spielen. Seine These: Wir brauchen einen Steuerungsmechanismus, der den Kunden weg vom Öl und hin zu erneuerbaren Energiequellen für Wärme motiviert. Eine Entlastung bei Stromsteuern könnte hier ein Instrument sein. Ein Interesse an der Nutzung von Geothermie in Berlin sei vorhanden. Man müsse ernsthaft prüfen, was diesbezüglich machbar ist. Doch die Risiken für Bohrprojekte könnten nicht von Vattenfall getragen werden. Das Potenzial der Geothermie würde seiner Schätzung zufolge in Berlin bei wenigen Prozent am Gesamtwärmemarkt liegen.

Matthias Willenbacher geht davon aus, dass die Sektorenkopplung kostengünstiger sein wird als bislang allgemein gedacht. Er vertritt die These, dass die erneuerbaren Energien schneller preiswerter werden als heute angenommen. Energieversorger würden die weitere Entwicklung der Technik unterschätzen. Die verstärkte Nutzung der Fernwärme sei eine gute Möglichkeit. Zur Umsetzung einer Wärmewende müsse an vielen Stellen gehandelt werden. Die Priorisierung sei dabei Aufgabe der Politik, fordert er.

Ernst Huenges ist davon überzeugt, dass die Wärmewende insbesondere mit der Erschließung erneuerbarer Wärmequellen und nicht allein mit der Elektrifizierung erreicht werden kann. Beispielsweise könnte die noch unerschlossene Geothermie in Berlin etwa 5 bis 10 Prozent des Wärmebedarfs nachhaltig decken. Im Stadtgebiet fließen mehr als eine Terrawattstunde (TWh) pro Jahr Erdwärme an die Oberfläche. „Ergiebige geothermische Quellen in den Schichtfolgen des Buntsandsteins können Heißwasser mit etwa 50 bis 60 Grad Celsius liefern. Mit dem Einsatz von Wärmepumpen ließe sich die Temperatur des geförderten Tiefenwassers für das Fernwärmenetz auf 110 Grad Celsius anpassen“, sagt Huenges. „Die Gewinnung der Erdwärme kann im Berliner Untergrund sicher durchgeführt werden. Dieser ist so beschaffen, dass dabei eine Gefährdung des Trinkwassers sowie die Stimulation von Erdbeben quasi ausgeschlossen sind.“ Die Kosten für geothermische Energie würden perspektivisch weit unter 10 Cent pro kWh liegen und damit wettbewerbsfähig sein.(rn)

Weitere Informationen auf der Webseite der Berliner Energietage

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