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Nachruf auf Sigmund Jähn: „Einfach ein cooler Typ“

Das Bild zeigt Sigmund Jähn (l.) mit dem GFZ-Wissenschaftler Yuri Shprits (r. ) auf der „Roten Couch“ des Düsseldorfer Fotokünstlers Horst Wackerbarth. Die Stele mit den beiden Büsten der Raumfahrer trägt das Porträt Jähns rechts und das seinen russischen Kollegen Waleri Bykowski links. Auf die Büste projiziert wurde eine Darstellung der Sonne. Das Bild entstand 2017 (Foto: Horst Wackerbarth).

Er war der erste Deutsche im All, er war einer der Pioniere der Fernerkundung aus dem Weltraum, und er war ein Freund des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ: Sigmund Jähn ist am Samstag, 21. September, in seiner Wahlheimat Strausberg gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. Zuletzt arbeitete er mit dem GFZ in einem Interviewprojekt des Fotokünstlers Horst Wackerbarth zusammen. Davor beriet er das Zentrum bei einer Ausstellung zur Geschichte der Forschung auf dem Telegrafenberg anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Instituts für Geodäsie. Denn Sigmund Jähn hatte am Vorläuferinstitut des GFZ, dem Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE), seine Doktorarbeit angefertigt.

Eine der Grundlagen der Dissertation waren die Aufnahmen mit der Multispektralkamera, die Jähn an Bord der sowjetischen Raumstation Saljut 6 gemacht hatte. Die 'MKF 6' von ZEISS-Jena war eigens für die Fernerkundung entwickelt worden und konnte Fotos in sechs verschiedenen Spektralbereichen des Lichts aufnehmen.

Harald Schuh, Direktor des Departments Geodäsie am GFZ, erinnert sich an die Vorbereitungen zur Jubiläumsausstellung: „Sigmund Jähn war immer für uns und den Kurator ansprechbar und wir haben uns sehr gefreut, dass er zur Eröffnung der Ausstellung ‚Fokus Erde‘ nach Potsdam kam.“ Nach dem Ende der Ausstellung überließ Sigmund Jähn seinen Doktorhut, der am ZIPE angefertigt worden war, kurzerhand als Dauerleihgabe. Der einstige Pilotenhelm mit Doktorhut-Verzierungen hat einen Ehrenplatz im Foyer des GFZ-Hauptgebäudes. Schuh charakterisiert Jähn: „Heute würde man sagen, er war einfach ein cooler Typ.“

Sigmund Jähn hat viel für die Internationalisierung der Raumfahrt und auch der Forschung getan“, sagt Reinhard Hüttl, Vorstandsvorsitzender des GFZ. Er habe sich schon zu DDR-Zeiten für eine Zusammenarbeit zwischen Astronauten und Kosmonauten eingesetzt und dieses Engagement nach der Wende fortgeführt. Reinhard Hüttl „Was ihn auszeichnete, waren sein Humor und seine Bodenständigkeit.“

Geboren wurde Sigmund Jähn am 13. Februar 1937 im Vogtland. Er machte Karriere bei den DDR-Luftstreitkräften und studierte in Moskau. Am 26. August 1978 startete Jähn zusammen mit seinem russischen Kollegen Waleri Bykowski zur Raumstation Saljut 6, wo er beinahe acht Tage verbrachte. Seit der harten Landung der Rückkehr-Kapsel hatte Jähn mit Wirbelsäulenschäden zu kämpfen. Im Jahr 1983 promovierte Jähn am Zentralinstitut für Physik der Erde, das zur Akademie der Wissenschaften der DDR gehörte. Nach der Wiedervereinigung war Jähn für die europäische Weltraumagentur ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beratend tätig. Er lebte zuletzt in Strausberg bei Berlin. Sigmund Jähn war verheiratet und hinterlässt zwei Töchter.

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Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam
Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Telegrafenberg
14473 Potsdam
Tel.: +49 331 288-1040
E-Mail: josef.zens@gfz-potsdam.de
Twitter: @GFZ_Potsdam

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