Meldungen

Einem Tsunami aus der Kolonialzeit auf der Spur

Einem Tsunami aus der Kolonialzeit auf der Spur (Foto: H. Letz, GFZ).

13.06.2016: Deutsch- und englischsprachige Kolonialzeitungen berichten im März des Jahres 1895 über einen Tsunami, der als Folge eines Erdbebens der Stärke 7 bis 8 die Trobriand-Inseln traf - eine zu Papua-Neuguinea gehörende Inselgruppe in der pazifischen Salomonensee. Der Tsunami soll mindestens 30 Todesopfer zur Folge gehabt haben. Doch wie realistisch sind diese Angaben?
Seit Einführung moderner Seismometer in den 1960er Jahren wurden im Bereich des Trobriand-Grabens nur selten Erdbeben registriert. Ein Erdbeben der Stärke 7 bis 8 oder gar Beben, die einen Tsunami ausgelöst hätten, konnten seitdem nicht nachgewiesen werden. Aus diesem Grund war lange Zeit unklar, ob die Angaben aus dem Jahr 1895 tatsächlich auf einen Tsunami hindeuten konnten.

Die Trobriand-Inseln, auch Kiriwina-Inseln genannt, befinden sich am Rand der mit zahlreichen kleinen Plattenfragmenten durchsetzten Plattenkollisionszone zwischen der Pazifischen und der Indo-Australischen Platte. Aufgrund der komplizierten Tektonik gibt es bisher kein allgemein akzeptiertes Plattenmodell der Region.

Eine Rekonstruktion des Bebens von 1895 könnte nun dabei helfen, die Tektonik der Region besser zu verstehen. Anhand einer Literaturrecherche, veröffentlicht in Science of Tsunami Hazards, versuchen drei Wissenschaftler dem Bebenereignis auf die Spur zu kommen. Berichte aus Zeitungsarchiven, von Augenzeugen, die an verschiedenen Orten Beben und Tsunami in unterschiedlicher Intensität erlebt haben, geben Hinweise auf die Ursprungslokation des Bebens. Arbeiten zeitgenössischer Wissenschaftler ergänzen die Literaturrecherche. Tatsächlich verdichten sich so die Hinweise auf den Tsunami als Folge einer ganzen Serie von Erdbeben bis zu einer Magnitude von 7 bis 8, deren Epizentrum die Wissenschaftler mit 8.4°Süd und 151°Ost im Bereich des Trobriand-Grabens angeben. (ak)

Kontakt: Horst Letz

Letz, H., McCue, K., Ripper, I., 2016. The Trobriand Islands Earthquake and Tsunami, 6 March 1895. Science of Tsunami Hazards, 35 (2), p 49.

Weitere Meldungen

Personalia | Mike Sips zu Big-Data-Konferenz nach Kanada eingeladen

mehr erfahren

Schätze aus der Eiseskälte

mehr erfahren

Personalia | Zwei neue Helmholtz-Nachwuchsgruppen am GFZ

mehr erfahren

Vulkanwanderung in Ostsizilien: Ein altes System speist den „jungen“ Ätna

mehr erfahren

Bericht | Abschlusskonferenz für das Forschungsnetzwerk IsoNose

mehr erfahren

Methanfresser in tauendem Permafrost aufgespürt

mehr erfahren

Bericht | Internationale Diskussion zur Zukunft der Geowissenschaften

mehr erfahren

Personalia | Viktor Rözer erhält Preis für seine Forschung

mehr erfahren

Interview | „So viele Pässe gemessen wie noch nie“: Sven Bauer, Leiter der...

mehr erfahren

Verborgene Schätze im Untergrund und eine Rote Couch auf dem Telegrafenberg

mehr erfahren