Meldungen

Geothermische Exploration mit Glasfaserseismik in Potsdam

Schematische Veranschaulichung der Nutzung von Telekommunikationskabeln, die im Untergrund verlegt sind, als seismische Sensoren. (Abbildung: B. Schöbel)
Aufbau eines Geophons an der Erdoberfläche vor der ILB, die das Forschungsprojekt geoPuR fördert. (Foto: C. Cunow)
Vibratorfahrzeuge in der Heinrich-Mann-Allee in Potsdam. (Foto: C. Cunow)

Die Energie und Wasser Potsdam (EWP) hat vom 3. bis 10. Dezember in Potsdam vibroseismische Messungen durchführen lassen. Diese Messungen sollen den Potsdamer Untergrund durchleuchten, damit geologische Strukturen und Störungszonen sichtbar gemacht werden können. Deren Kenntnis ist Voraussetzung dafür, dass die besten Standorte für eine geothermische Erschließung gefunden werden können.

Dabei ist das Deutsche GeoForschungsZentrum Kooperationspartner: mit den zusätzlichen Messungen in zwei Glasfaserkabeln wird eine innovative Messtechnik ergänzt, die zur besseren Erforschung der Eigenschaften des Untergrundes beiträgt. Mit Projekten wie geoPuR (Effiziente Erkundung des geothermischen Potentials in urbanen Räumen), das aus dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg ILB unterstützt wird, erforschen wir unter anderem die geowissenschaftliche Nutzung der Glasfaserkabel-Infrastruktur von Telekommunikationsnetzwerken.

Glasfaserkabel werden als seismische Empfänger genutzt, um das seismische Wellenfeld mittels sogenannter ortsverteilter faseroptischer Dehnungsmessungen kontinuierlich aufzuzeichnen. Das Messverfahren erlaubt dabei die Aufzeichnung von Bodenbewegungen über eine Länge von bis zu mehreren 10er Kilometern mit einer räumlichen Auflösung von wenigen Metern bei Abtastraten von mehreren tausend Messwerten pro Sekunde an jedem Messpunkt. Das angeregte Vibrationssignal konnte am mobilen Kontrollbildschirm gut identifiziert werden. Das Ziel der Arbeiten ist die Entwicklung eines 3D geologischen Untergrundmodells (Potsdam3D), das die Basis für weitere Erkundungs- und Aufschlussaktivitäten liefert.

Die nachhaltige Bereitstellung von Wärme (und Kälte) für urbane Räume ist ein Kernelement der Wärmewende und Teil des Potsdamer Masterplans zum Klimaschutz. Dazu bekennt sich auch die Klimapartnerschaft Stadt und Wissenschaft, in der sich die hier kooperierenden Einrichtungen mit den aktuellen Messungen und Forschungsarbeiten aktiv einbringen. Im Sinne von 'Community Science' hat sich die wissenschaftliche Gemeinschaft des Telegrafenbergs kurzfristig und vielfältig eingebracht. Kolleg*innen von GFZ, AWI und PIK sowie die ILB haben zusätzliche, konventionelle Sensorik entlang der gemessenen Profile ermöglicht und unseren Geophonen einen sicheren Standplatz neben den Vibratoren gegeben. Das spontane Interesse, der freundliche Austausch entlang der Profile und die Hilfen gegen die Kälte haben uns sehr motiviert und gefreut.

Weiterführende Informationen:

Potsdamer Masterplan zum Klimaschutz bis 2050 
Informationen zum Projekt geoPuR
Informationen der Energie und Wasser Potsdam GmbH zur seismischen Erkundung


Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Charlotte Krawczyk 
Sektionsleiterin
Oberflächennahe Geophysik
Albert-Einstein-Straße 42-46
14473 Potsdam
+49 331 288-1281
Email: charlotte.krawczyk@gfz-potsdam.de 

Dr. Sven Fuchs 
Wissenschaftler
Geoenergie
Telegrafenberg
14473 Potsdam
Email: fuchs@gfz-potsdam.de 

Medien Kontakt:
Josef Zens 
Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Telegrafenberg
14473 Potsdam
Tel.: +49-331-288-1040
Email: josef.zens@gfz-potsdam.de


Weitere Meldungen

Eisalgen verstärken Grönlands Eisschmelze – genährt von Phosphor

Diamanten brauchen Spannung

Schnellere Erdbebenfrühwarnung mit Künstlicher Intelligenz

Fragen und Antworten zum Erdbeben in Kroatien

Die Melodie eines zerfallenden Alpengipfels

Frühwarnsystem für gefährdete Staudämme

Stress im Untergrund besser berechnen

Wie heiß darf es sein für das Leben im Ozeanboden?

Erdbeben-Szenario für deutsche Großstadt

Potsdamer Nachwuchswissenschaftler-Preis für David Uhlig