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Bericht | PALESCA Summer School

PALESCA Summer School (Foto: J. Mingram, GFZ).
Die Teilnehmendem im Gelände (Foto: J. Mingram, GFZ).
Die Teilnehmendem im Gelände (Foto: J. Mingram, GFZ).
Teilnehmende der PALESCA Summer School (Foto: J. Mingram, GFZ).

Die Paläo-Klimaforschung, also die Erforschung des Klimas der Vergangenheit, kann einen unmittelbaren Nutzen für die regionale Bevölkerung haben und die Forschung umgekehrt von Aktivitäten der Bevölkerung profitieren. Das ist die Idee, die hinter dem Projekt PALESCA ‚Paläoklima, Umweltveränderungen und Gesellschaftliche Interaktion in Zentralasien - Verbindung von Institutioneller- und Bürgerwissenschaft‘ steht. Im Rahmen des Projekts fand vom 2. bis 9. Juli eine Summer School für 20 kirgisische Studierende in Naryn, Kirgisistan statt - unter anderem organisiert durch das GFZ.

Das Projekt PALESCA, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, bringt in den Gebirgsregionen Kirgisistans die Paläo-Klimaforschung mit Monitoring-Aktivitäten zusammen, die die lokale Bevölkerung in Citizen Science-Projekten (auch ‚Bürgerwissenschaft‘ genannt) und Bildungszentren wie Schulen oder Einrichtungen in Nationalparks umsetzt. Zu diesen Aktivitäten gehören beispielsweise Programme, in denen lokale Temperaturen oder Niederschlagsmengen überwacht werden. Das Projekt trägt auch zur Netzwerkbildung zwischen den lokalen Akteuren bei. Außerdem soll Bleibendes geschaffen werden, so ist zum Beispiel ein 'Soil-Manual', ein Handbuch zum Thema Bodenkunde und Bodenschutz für Schulen geplant.

Die Summer School als Teil der PALESCA-Aktivitäten dient vor allem dem Wissenstransfer in die Bevölkerung. Jens Mingram, Wissenschaftler in der GFZ-Sektion Klimadynamik und Landschaftsentwicklung und wissenschaftlicher Koordinator von PALESCA: „Unser Ziel ist es, unseren Erkenntnisgewinn in der Paläo-Klimaforschung mit einem Beitrag zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort, vor allem in entlegenen Gebirgsregionen, zu verbinden.“ Über die Kombination aus Untersuchungen von Paläo-Klimaarchiven, vor allem Seesedimenten und Tropfsteinen, mit Daten aus der Überwachung von Umweltparametern, die über die Citizen Science-Projekte erhoben werden, erforschen die WissenschaftlerInnen die Ursachen von klimatischen und nicht-klimatischen Extremereignissen wie Dürren, Hochwasserereignissen, Erdbeben oder Bergstürzen.

Den WissenschaftlerInnen verhilft das Projekt zur Erkenntnis, die Bevölkerung profitiert, weil ein besseres Verständnis der Ursachen dieser Extremereignisse auch bedeutet, dass sie sich besser davor schützen können. Mingram: „Toll wäre natürlich, wenn der Ansatz auf andere Regionen übertragen werden könnte, was aber davon abhängt, ob sich Finanzierungsmöglichkeiten finden. Die University of Central Asia UCA baut in Tadschikistan und Kasachstan Uni-Campusse auf, mit denen ähnliche Zusammenarbeiten denkbar wären.“

Bewusstsein schaffen, dass Umwelten sich verändern

Über die Summer School - eine von zwei, die nächste ist für 2019 angesetzt - werden Studierende aus Kirgisistan in Methoden der Klimaforschung ausgebildet und in die Forschungsaktivitäten vor Ort einbezogen. Nach einer landesweiten Ausschreibung wurden 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen kirgisischen Hochschulen von VertreterInnen der Projektpartner für die Summer School ausgewählt. Veranstalter der Summer School waren neben dem GFZ das Mountain Societies Research Institute MSRI Bishkek und das Zentralasiatische Institut für Angewandte Geowissenschaften ZAIAG.

Auf dem Campus der UCA in Naryn standen Vorträge zu verschiedenen geowissenschaftlichen und ökologischen Themen sowie praktische Übungen auf dem Programm. Expertinnen und Experten der Veranstalter, aber auch anderer internationaler Institute wie der Freien Universität Amsterdam oder dem Max Planck Institut für Biogeochemie, gaben ihr Wissen an die Studierenden weiter.

Dabei reichten die Themen von der Biodiversitätsforschung bis hin zur Bodenkunde. Für die Teilnehmenden ging es auch auf Exkursionen, zum Beispiel zum drittgrößten See Kirgisistans, dem auf etwa 3 500 Metern Höhe gelegenen Chatyr-Kul. Hier schauten die Teilnehmenden den dort im Feld arbeitenden PALESCA-WissenschaftlerInnen über die Schulter oder halfen dabei, Sediment- und Wasserproben vom Schlauchboot aus zu nehmen oder die Wasserqualität zu messen. Außerdem setzen sie einen Aktiv-Staubsammler ein, der es erlaubt, Aussagen über den Eintrag durch den Wind transportierter Sedimente in den See zu treffen, und sie lernten einiges zur lokalen Geologie und Geschichte des Chatyr-Kul-Beckens.

Jens Mingram: „Die so ausgebildeten Studierenden sollen zunächst mal ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Umwelten sich verändern und zur Gefährdung werden können. Viele sagten uns, dass ihnen das bisher gar nicht bewusst war!“ In Zukunft sollen sie, so die Hoffnung, den Ansatz der ‚angewandten Klimaforschung‘ in ihrem Land weitertragen.

26.07.2018: Ariane Kujau

Das Projekt wurde gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF

MSRI-PALESCA-Webseite

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