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Bericht | Eine einmalige Chance für Forschende

Einsatz des Helipods im Lenadelta im Jahr 2012 (Foto: T. Sachs, GFZ).
Torsten Sachs war bereits mehrfach bei widrigen Wetterbedingungen im Feld (Foto: T. Sachs, GFZ).

Torsten Sachs war bereits in vielen unwirtlichen Gegenden auf Expedition, aber eine derart aufwändige Vorbereitung hat es selbst für ihn noch nie gegeben: Schießtraining, um auf eventuelle Eisbärattacken vorbereitet zu sein, Überleben im Wasser trainieren, Bergung durch Helikopter üben – allein das Vorbereitungsprogramm wäre für viele schon ein Abenteuer gewesen. Der Arbeitsgruppenleiter aus der GFZ-Sektion Fernerkundung und Geoinformatik hat einen Platz auf der 'Polarstern', dem Forschungseisbrecher, der derzeit im arktischen Eis festgefroren Richtung Nordpol driftet. Das Projekt 'MOSAiC' ist die größte Arktisexpedition der Geschichte. Rund 600 Forschende und Unterstützungspersonal aus zwanzig Nationen sind während der gesamten Expedition auf dem Schiff. Alle zwei, drei Monate wird Personal ausgetauscht – per Eisbrecher, die sich der Polarstern nähern, und im Frühjahr durch Flugzeuge und eine eigens präparierte Landebahn auf dem Eis.

Vier dieser Schiffe unterstützen die Polarstern des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI), das die MOSAiC-Expedition leitet. Hinzu kommen noch Hubschrauber. Diese transportieren nicht nur Personal, sondern dienen auch der Erkundung der eisigen Umwelt. Gemeinsam mit der Technischen Universität Braunschweig hat Torsten Sachs eine Hubschrauber-Schleppsonde an Bord bringen lassen, den 'Helipod', mit der er sich auf die Suche nach dem Treibhausgas Methan macht. Sein Projekt heißt Alexia (Analysis Linking Arctic Methane, Carbon Release, Heat Fluxes and Sea Ice from Local to Sub-Regional Scales by Airborne Measurements) und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG gefördert.

Viele der Prozesse dort im hohen Norden sind noch nicht genau erforscht. „Wir wissen nicht, woher das Methan kommt – war es im Wasser gelöst und gast dann aus oder wird es durch biologische Prozesse im und unter dem Eis gebildet?“ Das sind Fragen, die Torsten Sachs beschäftigen. Um das herauszufinden, werden er und seine Kolleginnen und Kollegen Proben der Luft, des Eises und des Wassers nehmen und mithilfe von Isotopenanalysen untersuchen. „Meine Kollegin Ellen Damm vom AWI ist hier die maßgebliche Expertin“, sagt Sachs.

Die Hubschrauber-Sonde kann aber noch mehr als Treibhausgase messen. Sie wird auch Wärmeflüsse und winzige Partikel in der Luft messen, aus denen Wolken werden können. Ziel der Expedition ist es, die Klima- und Umweltveränderungen im arktischen Eismeer besser zu verstehen. Was man bereits jetzt weiß: Die Region erwärmt sich weitaus schneller als von den Modellen zunächst prognostiziert.

Vor wenigen Tagen hat Torsten Sachs sich auf die Reise in die Nacht gemacht. So hoch im Norden – derzeit driftet die Polarstern bei rund 87 Grad nördlicher Breite – geht die Sonne für ein halbes Jahr nicht auf. Temperaturen um 25 Grad unter dem Gefrierpunkt sind normal. „Die Kälte stört mich nicht“, sagt Sachs, der bereits einmal für ein Jahr im nördlichen Alaska wohnte. „Aber an die Dunkelheit werde ich mich gewöhnen müssen.“ Geplant ist ein Aufenthalt von zwei Monaten. Aber ganz genau kann man das nicht sagen. Es hängt von den Eis- und Witterungsbedingungen ab, wann der Polarforscher wieder zurückkehren kann. „Anfang April, wenn es nach Plan läuft“, sagt Sachs. Neben der wissenschaftlichen Neugier, die ihn treibt, nennt er noch einen Grund: „So eine Chance gibt es vielleicht alle hundert Jahre.“ (jz.)

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