Bericht | Potsdam Summer School 2015: „Facing Natural Hazards“ (only available in German)

Potsdam Summer School 2015 (Foto: GFZ)

Wann wird aus einem Naturereignis eine Naturkatastrophe? Aus Sicht menschlicher Gesellschaften dann, wenn hohe Opferzahlen und große Infrastrukturschäden zu beklagen sind. Durch einen verbesserten Umgang mit Naturgefahren wäre es wohl dank wissenschaftlicher Erkenntnisse und moderner Technik auch heute schon möglich, das Ausmaß der Schäden durch Naturkatastrophen zu reduzieren. Das ist eine der Erkenntnisse, zu der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweiten internationalen Potsdam Summer School 2015 im Laufe der neuntägigen Veranstaltung gelangten.

Unter dem Titel „Facing Natural Hazards“ trafen sich 40 Nachwuchstalente mit den unterschiedlichsten fachlichen Hintergründen, aber alle mit einem ausgeprägten Interesse für das Thema Naturgefahren, vom 14. bis zum 23. September in Potsdam. Die Wissenschaftseinrichtungen Institute for Advanced Sustainability Studies IASS, Universität Potsdam, Alfred-Wegener-Institut - Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und GFZ richteten die Veranstaltung mit Unterstützung der Landeshauptstadt Potsdam aus.

Die TeilnehmerInnen aus Wissenschaft, Politik und von internationalen Organisationen trugen selbst dazu bei, die Veranstaltung zu einem besonderen Ereignis zu machen. Diese Vielfalt ermöglichte es den TeilnehmerInnen, sich dem Thema Naturgefahren aus den verschiedensten Perspektiven zu nähern. Außerdem gab vielfältige Gelegenheiten, sich mit WissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus der Praxis auszutauschen. Eine Mischung aus Vorträgen, Diskussionen, Workshops, praktischen Übungen und kreativen Formaten wie Rollenspielen erwies sich als ein gelungenes Format. So gab es beispielsweise eine Übung zur Evakuierung nach einem Erdbeben, von der die Teilnehmer besonders beeindruckt waren.

Themen waren unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels auf Naturgefahren, wirkungsvolle Katastrophen-Prävention und die Rolle von Entscheidungsstrukturen. Wie kann beispielsweise eine schnellere Hilfe durch Hilfsorganisationen nach einer Erdbebenkatastrophe mehr Menschenleben retten? Es ging auch darum, inwieweit sich Naturgefahren vorhersagen lassen. Welche unterschiedlichen Möglichkeiten sich durch Frühwarnsysteme bei Tsunamiereignissen oder auch Erdbeben bieten, um die Auswirkungen von Naturkatastrophen so gering wie möglich zu halten präsentierten beispielsweise die GFZ-Wissenschaftler Stefano Parolai, Leiter des Zentrums für Frühwarnsysteme EWS und Andrey Babeyko, Sektion Geodynamische Modellierung.

Teil der Summer School war der öffentliche Vortrag des Risikoforschers Ortwin Renn, Professor für Umwelt- und Techniksoziologie an der Universität Stuttgart, im Potsdamer Hans Otto Theater. Er betonte, es sei ein Problem, dass gerade der Erfolg beim Einsatz von Vorsorgemaßnahmen und Frühwarnsystemenden Willen in Politik und Gesellschaft verringere, Geld in derartige Systeme zu investieren, weil große Schäden ausblieben. Muss es also regelmäßig zu Naturkatastrophen kommen, um Vorsorgemaßnahmen oder auch die Forschung daran rechtfertigen zu können? Ein weiteres Problem sei auch eine falsche Risikoeinschätzung in der Bevölkerung. So siedelten Menschen häufig beispielsweise nach einem Flutereignis wieder am selben Ort, im Glauben, dass es sie nicht ein zweites Mal treffen werde. Schon ein anderes Bewusstsein für Naturkatastrophen könnte die Auswirkungen dieser Ereignissen reduzieren.

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