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Sektion 2.6: "Erdbebengefährdung und Spannungsfeld"

Der erste Schritt sind auf Methoden der Wahrscheinlichkeitsrechnung beruhende probabilistische Gefährdungskarten. Um zu realistischen Einschätzungen zu kommen, erarbeiten wir dabei regionale, möglichst weit in die Geschichte reichende homogene Erdbebenkataloge sowie Modelle der Abnahme der starken Bodenbewegungen mit der Entfernung vom Erdbebenherd. Neben seismischen Informationen und Daten über das Spannungsfeld werden andere geowissenschaftliche Messungen integriert, beispielsweise die Ergebnisse paläoseismologischer, geodätischer und neotektonischer Untersuchungen.

Diese Analysen gehen sowohl in die deutschen Baunormen als auch in künftige europäische Normen ein. Nach diesen Regelwerken müssen Bauherren ihre Gebäude entsprechend der örtlichen seismischen Gefährdung erdbebengerecht auslegen. Darüber hinaus erarbeiten wir Methoden zur probabilistischen Einschätzung der Tsunamigefährdung, also der Wahrscheinlichkeit von Überflutungshöhen, unter anderem für den Mittelmeerraum.

Die Umsetzung unserer ingenieurseismologischen Untersuchungen findet weiterhin ihren Niederschlag in der Europäischen Makroseismischen Skala (EMS-98 (http://www.gfz-potsdam.de/portal/gfz/Struktur/Departments/Department+2/sec26/projects/previous_projects/06_seismic_vulnerability_scales_risk/EMS-98;jsessionid=C88789E50DFD1AC6CE2C9B186077334A)). Danach wird die lokale Intensität eines Erdbebens aufgrund von aufgetretenen Schäden in Verbindung mit der Vulnerabilität der betroffenen Gebäude bestimmt. Wir stellen mit dieser weltweit verbreiteten Skala ein methodisches Konzept für Risikoanalysen bereit. Hierbei wird ermittelt, welche Schadensgrade bei welcher Wahrscheinlichkeit in einem Gebiet anhand der räumlichen Verteilung von Wohngebäuden unterschiedlicher Vulnerabilität erwartet werden. Wir ergänzen unsere Einschätzungen der seismischen Gefährdung durch verschiedene Grundlagenuntersuchungen. Dazu entwickeln wir neue Verfahren zur Bewertung von Gefährdungsberechnungen und testen, in welchen Gebieten zeitabhängige Gefährdungskarten erforderlich sind. Um zu verstehen, welches seismische Potential in tektonischen Störungen steckt, untersuchen wir die zeitliche Änderung des krustalen Spannungszustandes und deren Ursachen. Neben den von uns systematisch zusammengetragenen Spannungsdaten simulieren wir diese mit Computermodellen. Unsere Labormessungen mit Neutronenstrahlung zeigen, wie sich diese Spannungen auf verschiedene Gesteine auswirken. 




Letzte Änderung: 16.07.2012  zum Seitenanfang