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Abstract (EDOC: 136)
Zusammenfassung:
Zwei wichtige Fragen der Geodynamik werden in der vorliegenden Arbeit mit Hilfe
seismischer Methoden untersucht: wie tief reichen erkennbare Wurzeln der
Kontinente in den oberen Erdmantel hinein, und stimmen die seismischen
Diskontinuitaeten der Uebergangszone des Erdmantels in 410 und 660 km Tiefe mit
aus dem Labor bekannten Phasenuebergaengen in der Kristallstruktur der
Mantelgesteine ueberein? Die Beantwortung dieser Fragen ist ein wesentlicher
Punkt im Puzzle ueber die dynamischen Vorgaenge im Erdinneren. Die Art und Weise
der Uebergaenge im Erdmantel spielt dabei eine wesentliche Rolle. Bisherige
Arbeiten zeigen zwar die globale Existenz der seismischen Diskontinuitaeten in
410 km und 660 km Tiefe (Shearer 1991), die Art der Uebergaenge ist jedoch
umstritten (Jordan et al. 1989, Jeanloz 1989). Untersuchungen von Vorlaeufern
von P"P" weisen beispielsweise auf einen scharfen Uebergang in 660 km Tiefe von
nur wenigen Kilometern Breite hin (Benz & Vidale 1993, Le Stunff et al. 1994),
was bisher als Argument fuer eine chemische Grenze diente (Lees et al. 1983,
Jeanloz 1989). Neuere petrologische Untersuchungen des physikalischen
Phasenueberganges ?-Spinell zu Perovskit und Magnesiowuestit in der
Kristallstruktur des Olivins, welcher als Kandidat fuer die 660 km
Diskontinuitaet gilt, ergeben jedoch ebenfalls einen schmalen Uebergangsbereich
von ca. 4 km (Ito & Takahashi 1989). Umstritten ist auch der Verbleib der
subduzierten Lithosphaere in 660 km Tiefe, woraus gleichfalls Rueckschluesse
ueber die Art des Ueberganges moeglich sind. Die Frage nach der Tiefe der
Wurzeln der Kontinente ist im Zusammenhang mit der Konvektion im Erdmantel
ebenfalls von Bedeutung. Ging man noch vor fuenfzehn Jahren davon aus, dass die
Wurzeln der Kontinente nicht tiefer als ca. 120 km reichen
(Sclater et al. 1980), so ist heute allgemein anerkannt, dass eine viel
tieferreichende Korrelation zwischen den tektonischen Strukturen der
Erdoberflaeche und den rheologischen und petrologischen Parametern des Mantels
besteht. Untersuchungen ueber den eurasischen Kontinent und den pazifischen
Ozean liefern Modelle, die Unterschiede in den Schwerwellengeschwindigkeiten
zwischen Ozeanen und Kontinenten bis hinab zu 400 km aufweisen
(Lerner-Lam & Jordan 1987). Die vorliegende Arbeit gibt nun erstmals Hinweise
auf eine bis in die Uebergangszone des oberen Mantels hineinreichende Struktur
der Kontinente. Mittels Delay-and-Sum-Techniken, wie sie aus der Seismik
bekannt sind, werden Reflexionen von S-Wellen an der Unterseite der
Manteldiskontinuitaeten untersucht. Die als Vorlaeufer zu SS (SH-Multiple von S)
auf der Transversalkomponente von Seismogrammen auftreten (Shearer 1991,
Petersen et al. 1993). Direkte Beobachtung dieser Phasen in individuellen
Registrierungen ist nur in wenigen Faellen moeglich, da die dazugehoerigen
Amplituden nur ca. 3-5 % derer von SS betragen und in der Regel unterhalb des
Rauschpegels liegen. Dagegen lassen sich dieses Phasen mit geeigneten Methoden
der Signalverarbeitung (Restitution, Dekonvolution, Summation und
Slownessanalyse) in den meisten Faellen problemlos nachweisen. Simulationen mit
synthetischen Seismogrammen, die mit Hilfe der Reflektivitaetsmethode
(Kind 1978, Mueller 1985) fuer das IASP91 Erdmodell (Kennett 1991) berechnet
werden dienen der Verifizierung der Ergebnisse. Globale und regionale
Untersuchungen der Manteldiskontinuitaeten in 410 km und 660 km Tiefe unter
Verwendung von langperiodischen Erdbebenregistrierungen des Global Digital
Seismograph Network (GDSN) aus den Jahren 1980-91 stellen den Kern dieser Arbeit
dar. Messungen der Differenzlaufzeiten zwischen der 410 und 660 km
Reflexionsphase ergeben eine klare Korrelation mit den geologischen
Hauptstrukturen auf der Erdoberflaeche also mit den Kontinenten und Ozeanen. Die
Differenzlaufzeiten der Reflexionen an der 410 und 660 km Diskontinuitaet im
Bereich des asiatischen und nordamerikanischen Kontinents sind signifikant
groesser als bei Reflexionen unter dem benachbarten pazifischen Ozean.
Aenderungen der Dicke der Uebergangszone aufgrund von Temperaturvariationen, wie
sie aus der Phasenuebergangshypothese folgen, koennen dies erklaeren. Zudem
fuehrt diese Beobachtung zu dem Schluss, dass die kontinentalen Wurzeln Asiens
und Nordamerikas bis in Tiefen zwischen 410 und 660 km reichen. Augenmerk wird
auch auf einen moeglichen Reflektor in 520 km Tiefe gerichtet (Shearer 1990,
Revenaugh & Jordan 1991), dessen Existenz umstritten ist (Bock 1994). Viele
Stacks (beispielsweise fuer Reflexionspunkte unter dem nordwestpazifischen Raum,
Zentralasien, Suedpazifik) zeigen ein schwaches Signal im entsprechenden
Laufzeitenbereich, andere dagegen nicht (Nordostpazifik, westl. USA, suedlicher
Indischer Ozean). Dieser Befund spricht dafuer, dass es sich um ein regionales
Phaenomen handelt, die globale Existenz der 520 km Diskontinuitaet ist damit
nicht vereinbar. Weitere Diskontinuitaeten lassen sich im Rahmen dieser Arbeit
nicht signifikant nachweisen.
(1995): Seismische Untersuchung von lateralen Inhomogenitäten in der Übergangszone des Erdmantels. Scientific Technical Report ; 95/21, GeoForschungsZentrum Potsdam, 118.
(1995): Seismische Untersuchung von lateralen Inhomogenitäten in der Übergangszone des Erdmantels. Scientific Technical Report ; 95/21, GeoForschungsZentrum Potsdam, 118.

