Der Zeitpunkt für Hochwässer verschiebt sich und zeigt den Einfluss des Klimawandels

Der Zeitpunkt für Hochwässer verschiebt sich und zeigt den Einfluss des Klimawandels (Foto: GFZ).

10.08.2017: Der Klimawandel ist abstrakt, Wetterereignisse wie Starkregen die Fluten auslösen sind konkret. Lässt sich beides in Verbindung bringen? Eine internationale multi-AutorInnen-Studie unter Leitung der Universität Wien, an der auch das GFZ beteiligt ist, belegt erstmals einen für einen gesamten Kontinent beobachtbaren Zusammenhang zwischen Klimawandel und Hochwässern. Die Ergebnisse werden nun im Fachjournal Science veröffentlicht.

Bei einem extremen Hochwasserereignis wird oft die Frage gestellt, ob der Klimawandel verantwortlich ist. Das Klima ist jedoch eine statistische Größe und bezeichnet Trends im Auftreten von Wetterereignissen über mindestens 30 Jahre. Einzelereignisse können also nicht durch den Klimawandel begründet werden. Nur die Beobachtung über einen längeren Zeitraum kann Aufschluss über Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Wetterereignissen geben.

In einem internationalen Großprojekt hat das Team um Erstautor Günter Blöschl, Universität Wien, Datensätze der letzten 50 Jahre von über 4000 hydrometrischen Messstationen aus 38 europäischen Ländern gesammelt und ausgewertet. Bruno Merz, Leiter der GFZ-Sektion Hydrologie, hat im Rahmen der Studie die Ergebnisse im Hinblick auf die Ursachen von Flutereignisse interpretiert, sowohl für Deutschland als auch insgesamt für Europa.

Das Auftreten der Flut-Hochwässer hat sich laut Studie über die Jahre zeitlich verschoben. Je nach Ursache der Hochwasserereignisse treten diese in manchen Regionen immer früher auf, in anderen immer später. Und da liegt der Link zum Klimawandel. Denn die Ursachen hinter den zeitlichen Verschiebungen im Auftreten der Hochwasserereignisse lassen sich auf Klimaveränderungen zurückführen. Die Intensität der Hochwasserereignisse hingegen, also beispielsweise die Höhe des Wasserstands oder der Abfluss, eignen sich eher nicht dafür, den Einfluss des Klimawandels zu ermitteln. Sie hängen nämlich nicht nur vom Klima ab. So können etwa die Versiegelung von Flächen durch Bebauung, intensive Landwirtschaft oder auch der Rückgang von wasserspeichernden Auwäldern einen Einfluss auf die Intensität haben.

Viele Ursachen, ein Auslöser: Der Klimawandel

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben für jede Region den Zeitpunkt der Flut-Hochwässer und deren Ursachen ermittelt. Dabei zeigte sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte eine deutliche zeitliche Verschiebung: Beispielsweise treten die Hochwässer im Nordosten Europas heute im März und damit um einen Monat früher auf als noch in den 1960er und 70er Jahren. Die Ursache: Der Schnee schmilzt heute früher als damals. An den Atlantikküsten Westeuropas führt der Klimawandel dazu, dass früher im Jahr das Maximum an Bodenfeuchte erreicht ist, der Boden also kein weiteres Wasser mehr aufnehmen kann und damit Fluten begünstigt werden.

In England und Norddeutschland hingegen kommt das Hochwasser heute um etwa zwei Wochen später. Als Ursache machen die WissenschaftlerInnen hier eine Veränderung in der atmosphärischen Verteilung von Luftdrücken aus, die sich ebenfalls auf den Klimawandel zurückführen lässt. Sie hat zur Folge, dass die Regen bringenden Winterstürme später auftreten. In Teilen der Mittelmeerküste führt die Erwärmung des Atlantiks dazu, dass viel Wasser verdunstet, die Atmosphäre viel Feuchtigkeit aufnimmt und vom Atlantik in Richtung Mittelmeer transportiert und dort die stärksten Fluten später im Jahr auftreten.

Die Verschiebung der Zeitpunkte, zu denen an verschiedenen Orten in Europa Hochwässer auftreten, hat also verschiedene Ursachen. Alle diese Ursachen lassen sich jedoch auf Veränderungen des Klimas zurückführen. (ak)

Originalstudie: Blöschl, G. et al., 2017. Changing climate shifts timing of European floods. Science Vol. 357, Issue 6351, pp. 588-59011 Aug 2017. DOI: 10.1126/science.aan2506

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