Interview | Humboldt Stipendiatin Poulomi Ganguli “freue mich, gleichzeitig an verschiedenen Extremereignissen zu arbeiten”

Dr. Poulumi Ganguli (Foto: GFZ).

Seit August 2017 arbeitet die Humboldt Postdoc Stipendiatin Poulomi Ganguli am GFZ in der Sektion Hydrologie. In den kommenden zwei Jahren wird die Hydrologin hier der Frage nachgehen, welchen Einfluss der Klimawandel auf das Risiko des gleichzeitigen Auftretens von Sturmfluten und Binnen-Hochwasserereignissen im Nordseeraum hat, den sogenannten „compound flooding events“.

GFZ: Was ist das Ziel Ihres Forschungsprojektes?

Poulomi Ganguli: Ich möchte verstehen, wie das Auftreten von „compound floodings“ in europäischen Küstenregionen mit dem Klimawandel und natürlicher Variabilität zusammenhängt. Während der Klimawandel sich auf Langzeitveränderungen über Jahrhunderte bezieht, wie zum Beispiel die globale Erwärmung, sind kurzfristige Änderungen auf natürliche Variabilität zurückzuführen. Damit sind zum Beispiel Veränderungen gemeint, die durch Faktoren wie die das El Niño-Phänomen ausgelöst werden.

Die Forschung an diesen „compound extremes“ ist sehr faszinierend, weil unterschiedlichste räumliche und zeitliche Aspekte eine Rolle spielen und wegen der vielfältigen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen wie Starkregen, Sturmfluten oder Fluss-Hochwässern.

Bisherige Studien beschäftigen sich vor allem mit Sturmflutereignissen ohne dabei gleichzeitig auftretende Binnen-Hochwasserereignisse und deren Einfluss auf Küstenregionen zu berücksichtigen. Aus der Sicht einer Hydrologin ist es aber vor allem interessant, diese gemeinsamen Ereignisse, also die „compound flooding events“ mit ihren verheerenden Auswirkungen auf Küstenregionen zu untersuchen.

GFZ: Können Sie ein Beispiel für ein solches Ereignis nennen?

Ganguli: Ein Beispiel war der Wintersturm ‚Xaver‘ im Jahr 2013, mit Auswirkungen auf große Teile von Nordeuropa. Die wirtschaftlichen Schäden lagen zwischen 700 Millionen und 1,4 Milliarden Euro. Andere Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit waren die Stürme ‚Eva’, ‚Desmond’ und ‚Imogen’ über Großbritannien, die Todesopfer und hohe wirtschaftliche Schäden zur Folge hatten.

GFZ: Sie integrieren verschiedene Daten in einem Computermodell, das Sie auch selbst programmieren. Woher stammen die Daten?

Ganguli: Ich führe keine eigenen Messungen durch, sondern greife auf bestehende Datensätze zurück, die ich aus verschiedenen Quellen beziehe. Ich verwende zum Beispiel bodengestützte Beobachtungsdaten mit unterschiedlicher zeitlicher Auflösung, von stündlichen bis hin zu täglichen Messungen, oder Ergebnisse aus Klimamodellierungen. Einige der Daten stehen für die Forschung frei zur Verfügung, andere sind per Anfrage zu bekommen.

GFZ: Sie haben bisher beispielsweise zu Dürren und Flutereignissen in Nordamerika und Südasien gearbeitet. Wie sind Sie bei den Flutereignissen in der Nordsee „gelandet“?

Ganguli: Ich konnte bisher Erfahrungen mit verschiedenen Formen von Extremereignissen sammeln, aber immer nur mit einem Extrem gleichzeitig. Ich freue mich deshalb sehr darauf, in meinem neuen Projekt hier am GFZ zu den „compound events“ zu arbeiten, also gleichzeitig verschiedene Formen von Extremereignissen zu erforschen.

Wir haben uns in meiner Arbeitsgruppe vor allem aus zwei Gründen für den Nordseeraum entschieden: Zunächst deshalb, weil hier die Datenlage sehr gut ist. Verfügbare Datensätze reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück und deuten auf eine Zunahme der Sturmintensität hin. Außerdem zeigen Studien hier eine deutliche Steigerung der versicherten Schäden aufgrund von Auswirkungen des Klimawandels, wie beispielsweise Meeresspiegeländerungen. Der Klimawandel hat also einen Einfluss, das bedeutet, dass es möglich sein wird, ihn im Rahmen des Projektes genauer untersuchen zu können.

31.08.2017. Interview: Ariane Kujau