Arzneimittelrückstände in der Umwelt

Dr. Tim aus der Beek, IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser

Der Verbrauch von Arzneimitteln ist in den letzten Dekaden aufgrund wachsender Bevölkerungszahlen, veränderter Bevölkerungsstrukturen, besserer Versorgung und Vermarktung stark angestiegen. Ziel der hier vorgestellten Studie ist die globale Analyse des Vorkommens von Arzneimitteln in der Umwelt, basierend auf publizierten Daten. Insgesamt konnten Messungen mit Arzneimittelpositivbefunden in der Umwelt für 71 Länder nachgewiesen werden. Obwohl die Mehrheit der Messungen auf industrialisierte Länder entfällt, ist ebenfalls ein ansteigender Trend von Messwerten in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verzeichnen.
Insgesamt wurden Umweltproben auf 713 verschiedene Wirkstoffe untersucht. Davon wurden 631 in Konzentrationen über dem Detektionslimit nachgewiesen. 16 Wirkstoffe wurden in allen Regionen der Welt im Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser nachgewiesen. Am häufigsten, in insgesamt 50 Ländern, wurde der Schmerzmittel-Wirkstoff Diclofenac in der Umwelt aufgefunden. Beim Vergleich von umwelttoxikologischen Grenzwerten mit den mittleren länderbasierten Diclofenac-Konzentrationen fällt auf, dass diese in 34 Ländern überschritten werden. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf wahrscheinliche ökotoxikologische Gefährdungspotenziale an den jeweiligen Messstellen und stellt politischen Handlungsbedarf dar. Um die Belastungen der Umwelt mit Arzneimittelrückständen zu verringern, kommen zwei sich ergänzende Maßnahmenpakete in Betracht. Erstens können technologische Maßnahmen ergriffen werden, um die Eliminationsraten in den Kläranlagen zu verbessern, wobei die Verwendung von Ozon und (Pulver-)Aktivkohle die besten Ergebnisse erzielt. Zweitens kann der Eintrag von Arzneimittelwirkstoffen bereits an der Quelle reduziert werden, wobei eine Vielzahl von potenziellen Handlungsoptionen besteht, z.B. bei der Entsorgung von Altmedikamenten oder der Änderung von Packungsgrößen.