Partielle Sonnenfinsternis in Mitteleuropa und ein Sonnensturm

Sonnenfinsternis 20.03.2015, 10:35 MEZ, Potsdam ( Foto: F. Ossing, GFZ)

Polarlichter über dem Søndrestrøm Incoherent Scatter Radar, Kangerlussuaq, Grönland, während des Sonnensturms 17.03.2015 (Foto: Jürgen Matzka, GFZ)

Polarlichter über dem Søndrestrøm Incoherent Scatter Radar, Kangerlussuaq, Grönland, während des Sonnensturms 17.03.2015 (Foto: Jürgen Matzka, GFZ)

Sonnenfinsternis am 11. August 1999 (Foto: L. Grundwaldt, GFZ)

18.03.2015: Am Vormittag des 20.03.2015 wr die Sonne für Beobachter in Mitteleuropa teilweise vom Mond verdeckt sein. Eine vollständige Sonnenfinsternis konnten – weiter nördlich - an diesem Tag die Bewohner der Färöer-Inseln und Svalbard (Spitzbergen) erleben. Im Nordosten Deutschlands erreichte die Bedeckung der Sonne aber auch etwa 75%. Im Raum Berlin/Potsdam begann das beobachtungswerte Ereignis um 9:38 Uhr, das Maximum wurde um 10:47 Uhr erreicht. Um 11:58 Uhr war die Sonnenfinsternis beendet . Die nächste partielle Sonnenfinsternis über Mitteleuropa wird erst im Sommer 2021 stattfinden.

Ein Forscherteam um Prof. Claudia Stolle vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ, das sich mit dem Weltraumwetter befasst, verfolgte das astronomische Ereignis gemeinsam mit Kollegen um Prof. Jorge Chau vom Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik Kühlungsborn mit Hilfe von Magnetometern in Niemegk, Island und Svalbard, einer Ionosonde in Juliusruh und dem Medium-Frequency Radar (MF-Radar). In der oberen Atmosphäre wurde wegen der Verringerung der Sonneneinstrahlung ein Rückgang der Ionisation und der elektrischen Ströme erwartet. Die Effekte werden jedoch so gering sein, dass sie nur bei ruhigen geomagnetischen Bedingungen erkennbar sein können. Die aktuelle globale geomagnetische Aktivität dokumentiert das GFZ anhand des Kp-Indexes.

Störfaktor Sonnensturm

Ein starker Sonnensturm kann die Beobachtungen allerdings beeinflussen. Plasma von der Sonnenoberfläche trifft seit dem 17.03.2015 das unseren Planeten schützende Erdmagnetfeld. Diesergeomagnetischen Sturm wurde nicht nur an den geomagnetischen Observatorien des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ, sondern weltweit gemessen.Messungen des amerikanischen Satelliten ACE (Advanced Composition Explorer) zeigen eineaußergewöhnlichhohe Geschwindigkeit des Sonnenplasmas.

Die Stärke geomagnetischer Stürme wird mit dem erwähnten, von 0 bis 9 reichenden Kp-Index gemessen, der vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ berechnet und international zur Verfügung gestellt wird. Dabei hat der geomagnetische Sturm vom 17.03. über 12 Stunden hinweg bei Kp-Werten zwischen 7 und 8 gelegen, quasi Orkanstärke. Der äquatoriale Dst-Sturmindex erreichte gestern einen Wert von -221nT, was die Spitze des Sturmeffektes auf der Erde darstellte. Im Vergleich: der letzte Superstorm am 30.10.2003 erreichte einen Spitzen-Dst-Wert von -383nT.

In den nächsten Tagen kann der Sturm wieder abklingen. Noch aktive Massenauswürfe der Sonne können jedoch auch wieder die Erde treffen. In diesem Fall wird es schwierig sein, Effekte der bevorstehenden Sonnenfinsternis am 20.03.2015 im erdnahen Weltraum zu erfassen, da Effekte des Sturmes die Wirkung der Sonnenfinsternis auf die obere Atmosphäre überlagern.

Bitte beobachten Sie das Ereignis nur mit einer geeigneten Schutzbrille (Sonnenfinsternisbrille o.ä.)! Eine herkömmliche Sonnenbrille oder geschwärzte Gläser reichen nicht aus.