Höchstmögliche Bewertung für Klimaforschungs- und Datenprojekt AtmoSat durch Wissenschaftsrat

Blick auf das Hauptinstrument von AtmoSat zur „neuartigen“ Infrarot-Fernerkundung (bildgebenden Horizontsondierung; Foto: P. Preusse, FZJ).

18.07.2017: Chemische und physikalische Prozesse in der mittleren Atmosphäre zwischen fünf und hundert Kilometern Höhe haben Einfluss auf das regionale und globale Klima. Welchen? Das will AtmoSat untersuchen. Das gemeinsame Vorhaben des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Forschungszentrums Jülich (FZJ), unter Beteiligung des GFZ, kombiniert ein Satelliten-Beobachtungssystem und die zugehörige Dateninfrastruktur. Das Projekt erhielt nun von einem Ausschuss des Wissenschaftsrats, der die Bundesregierung zur Entwicklung von Wissenschaft und Forschung berät, die höchstmögliche Bewertung.

Forscherinnen und Forscher des KIT und FZJ haben für AtmoSat eine neue Methode entwickelt, mit der 3D-Karten der wichtigsten atmosphärischen Spurengase wie Ozon, Methan und Wasserdampf per Infrarot-Fernerkundung erstellt werden können. Das GFZ ist, unter der Leitung von Jens Wickert, GFZ-Sektion Geodätische Weltraumverfahren und Sprecher des Helmholtz-Topics GPS-Atmosphärensondierung, mit einem Instrument zur sogenannten GPS-Radiookkultation beteiligt. Bei diesem neuen Messverfahren registriert ein Empfänger an Bord des Satelliten Signale von Satellitennavigationssystemen und misst mit hoher Genauigkeit den Einfluss der Atmosphäre auf die Laufzeiten der Signale. So lässt sich, wetterunabhängig und kalibrationsfrei, die globale Temperaturverteilung bestimmen. Der Start von AtmoSat ist für das Jahr 2023 geplant.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF unterstützt den Ausbau bedeutender Infrastrukturen wie Instrumente, Großgeräte und Informationsinfrastrukturen für die Wissenschaft. Welche Infrastrukturen in der nächsten Legislaturperiode förderungswürdig sind, legt sie in der nationalen Roadmap für Forschungsinfrastrukturen fest. Vor einer möglichen Aufnahme in die Roadmap steht die Begutachtung durch einen vom Wissenschaftsrat eingesetzten Ausschuss. Dieser hat insgesamt elf große Infrastrukturen mit Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro begutachtet, darunter AtmoSat. Laut Wissenschaftsrat sind die von AtmoSat generierten Daten „einzigartig“ und „von höchster Relevanz“.

Die neuartigen Daten, die der Satellit liefert, können neben der Erforschung des Klimawandels auch für eine verbesserte Wettervorhersage verwendet werden. Die ebenfalls geplante Infrastruktur ermöglicht einen intensiven weltweiten Austausch der Wissenschaftsgemeinschaft und schafft damit die Bedingungen zur Verbesserung von Klimamodellen. In seiner Bewertung geht der Wissenschaftsrat außerdem davon aus, dass AtmoSat die Rolle Deutschlands in der Klimaforschung maßgeblich ausbauen werde. (ak)

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