Aktuelle Erdbebeninformationen

Das am GFZ betriebene globale seismische Netzwerk GEOFON stellt seismische Daten und Erdbebenparameter bereit. Am Netzwerk sind neben dem GFZ zahlreiche Partnereinrichtungen beteiligt. Die Beben werden in der hier gezeigten Karte dargestellt. Weitere Informationen finden Sie >>hier und innerhalb der GEOFON-Webseite.

Weltkarte mit aktuellen Erdbebeninformationen

Informationen zum Beben in Zentralitalien nahe Norcia|24.08.2016

Central Italy
Time: 2016-08-24 01:36:34.4 UTC
Magnitude: 6.2 (Mw)
Epicenter: 13.20°E  42.74°N
Depth: 10 km
Status: C - confirmed
Lokation (per Klick vergrößern)

Lokation: In der Nacht zum 24. August 2016 trat um 1:36 UTC (3:36 Ortszeit) ein starkes Erdbeben in der Provinz Rieti in Zentralitalien auf. Das GeoForschungsZentrum (GFZ) hat für dieses Beben eine Magnitude von MW 6.2 und eine flache Herdtiefe <10 Kilometer bestimmt.

Die Herdlösung zeigt einen Abschiebungsmechanismus auf einer NW-SO streichenden Fläche an, wie er typisch für krustale Beben in den Zentralen Apenninen ist.

In den ersten 3 Stunden nach dem Beben hat das GFZ etwa neun Nachbeben mit eine Stärke von MW >4 registriert.

>>Informationen zu Lokation, Seismotektonik und Seismischer Gefährdung als PDF

Seismotektonik (per Klick vergrößern)

Seismotektonik: Die Gebirgskette der Apenninen zieht sich im Zentrum Italiens von der Po Ebene im Norden bis zum Golf von Tarantola in Kalabrien. Die Apenninen entstanden in Folge der Subduktion der Adriatischen Platte unter Italien von Ost nach West. Die aktuelle Tektonik ist allerdings komplexer, da Italien zusätzlich von der Öffnung des Tyrrhenischen Meeres im Westen und der Konvergenz der Afrikanischen gegen die Europäische Platte beeinflusst wird. Im Zentralen Bereich des Apenninen Gürtels tritt dadurch Extensionstektonik auf, welche sich regelmäßig durch mittelstarke Abschiebungsbeben bemerkbar macht.

Etwa 50 Kilometer nord-nordwestlich des Epizentrums vom 24. August trat in 1997 die sogenannte Umbria Marche Erdbebensequenz mit einer Magnitude von MW6 für das stärkste Ereignis auf. Etwa 50 Kilometer in Süd-Südost-Richtung fand in 2009 ein Erdbeben der Stärke MW 6.3 nache der Stadt L'Aquila statt. Das L'Aquila Beben wurde über mehrere Wochen von einer Sequenz von schwachen Vorbeben begleitet. Etwa 70 Kilometer süd-südwestlich trat qm 13. Januar 1915 ein starkes Schadensbeben der Stärke M 6.7 nahe der Stadt Avezzano auf.

Zentralitalien ist von flacher krustaler Seismizität betroffen, welche sich häufig entlang vorhandener Störungszonen und entlang der Randverwerfungen des mittleren Grabens in den Apenninen ausbildet. Im nördlichen Apennin und unter Kalabrien werden zusätzlich Tiefherdbeben beobachtet.

Seismische Gefährdung (per Klick vergrößern)

Seismische Gefährdung: Die seismische Gefährdung ist über große Gebiete Italiens und im Bereich der Apenninen groß. Im Bereich des Erdbebens vom 24. August 2016 übersteigt die Bodenbeschleunigung statistisch gesehen mit zehnprozentiger Wahrscheinlickeit in 50 Jahren einen Wert von 3,5 m/s2.

Die Umbria MW 6 Bebenssequenz in 1997 hatte zu elf Toten und etwa 80.000 zerstörten Häusern geführt. Das L'Aquila MW 6.3 Beben in 2009 ereignete sich in unmittelbarer Nähe der 34.000 Einwohner zählenden Stadt und hatte etwa 300 Todesopfer gefordert. Für das MW 6.7 Beben in 1915 werden etwa 32.000 Tote vermutet. In allen drei Fällen wurden aufgrund der geringen Tiefe Oberflächenrupturen beobachtet und teilweise sekundäre Schäden durch unduzierte Erdrutsche. Über die Schäden und Opfer des Erdbebens vom 24. August 2016 sind noch keine genauen Zahlen bekannt. Die Stärke und Herdtiefe ist vergleichbar mit denen der Erdbeben von L'Aquila und Umbria Marche.

Die Informationen werden bereitgestellt von den GFZ-Sektion Erdbeben- und Vulkanphysik, Seismologie und Erdbebengefährdung und Spannungsfeld.

Stand: 24.08.2016


Ausgewählte Medienbeiträge



Mehr Informationen zu Erdbeben


Disclaimer

Einige der auf dieser Seite bereitgestellten Informationen und Daten sind vorläufig und teilweise mit Verfahren erstellt, die sich noch in der Entwicklung befinden. Der Inhalt dieser Seite wird ohne Ankündigung aktualisiert, sobald weitere Informationen verfügbar sind.

Daten und Metadaten zu seismischen Wellenformen finden Sie unter folgenden Links: http://eida.gfz-potsdam.de/webdc3/ und http://geofon.gfz-potsdam.de/waveform/

Die hier präsentierten Daten zu den einzelnen Bebenlokationen werden vom GFZ GEOFON-Programm bezogen, das Daten der GEVN-Partnernetzwerke verwendet. Weitere Informationen finden Sie hier http://geofon.gfz-potsdam.de/contact.php.