Sektion 4.4: Sedimentbeckenanalyse

Sedimentbecken bestimmen maßgeblich die Geologie der Erdoberfläche sowohl der Kontinente als auch der Ozeane. Der größte Teil fossiler und erneuerbarer Geo-Energie-Ressourcen auf der Erde sind in diesen geologischen Strukturen gebunden.
Sedimentbecken sind von gesellschaftlicher Bedeutung unter anderem als Lagerstätten von Wasser, Kohle, Erdöl und Erdgas, für die Speicherung von Stoffen und für die Nutzung von Geothermie.

In der Sektion 4.4 untersuchen wir die Dynamik dieser Becken in geologischen Zeiträumen. Dabei stehen jene physikalischen Faktoren im Mittelpunkt, welche die Entstehung und Entwicklung der Becken mit unterschiedlichen geodynamischen Rahmenbedingungen steuern.
Zur Analyse entwickeln wir datengestützte Modelle, mit denen wir unter anderem die Druck- und Temperaturbedingungen in den Becken in Gegenwart und Vergangenheit berechnen. Daraus können wichtige Informationen für die Nutzung der Ressourcen dieser Becken abgeleitet werden.

Die Bewegung von Erdplatten führt insbesondere an den Plattenrändern zur Deformation der Lithosphäre, wodurch sich an der Erdoberfläche Hebungs- und Senkungsgebiete ausbilden. Durch die Ausdünnung der Lithosphärenplatten entstehen Ablagerungsräume, die mit Sedimenten von bis zu mehreren Kilometern Mächtigkeit aufgefüllt werden können.

Wir nutzen die Ergebnisse geologischer und geophysikalischer Untersuchungen, um die heutigen Bedingungen und Prozesse in diesen Sedimentbecken besser zu verstehen und deren Geschichte zu rekonstruieren.
Unser Ziel ist es, datengestützte Struktur- und Prozessmodelle von Sedimentbecken auf regionaler Skala zu entwickeln, die dem Verständnis der darin enthaltenen Ressourcen dienen.
Der skalenübergreifende Ansatz umfasst Beckenfüllung und unterlagernde Lithosphäre und adressiert das System Sedimentbecken als Ganzes.

Welche Struktur hat zum Beispiel das interkontinentale Norddeutsche Becken heute und wie sind Temperatur und Druck in seinem Inneren verteilt?
Die Deformation dieses Beckens wurde über den Zeitraum der letzten ca. 250 Millionen Jahre durch das darin enthaltene Zechsteinsalz maßgeblich beeinflusst. Diese Erkenntnisse fließen zum Beispiel in Modellierungen des regionalen geothermischen Feldes ein.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Forschung sind die Becken an den passiven Kontinentalrändern des Atlantiks, deren Genese in engem Zusammenhang mit der Atlantikentstehung steht. Dazu dienen unter anderem dreidimensionale Modelle des Vøring- und Møre-Beckens im Nordatlantik, des Kwanza-Beckens im Südatlantik vor Angola, oder der Becken vor der Atlantikküste Südafrikas und Argentiniens.
Diese Becken bieten ideale Möglichkeiten, den gesamten Entwicklungsprozeß eines passiven Kontinentalrandes zu untersuchen. Aufbauend auf seismischen Profilen und Bohrungsdaten ermitteln wir die Struktur der Erdkruste unter Einbeziehung von gravimetrischen und isostatischen Modellierungen. Zusätzlich werten wir die erzeugten Modelle aus, um die Absenkungsgeschichte des Beckens zu rekonstruieren, tektonische Störeinflüsse zu erkennen und die Wärmeflussentwicklung innerhalb des Beckens zu berechnen.

Kontakt

Frau Prof. Dr. Magdalena Scheck-Wenderoth
Leitung Sedimentbeckenanalyse

Telegrafenberg
Haus C 4, Raum 1.09
14473 Potsdam
Tel. +49 331 288-1345

Assistenz

Frau Dipl.-Geol. Alexandra Wille
Assistenz Sedimentbeckenanalyse

Telegrafenberg
Haus C 4, Raum 1.16
14473 Potsdam
Tel. +49 331 288-1451

Neuigkeiten

Unsere neueste Veröffentlichung:

Cacace, M.; Blöcher, G.; Watanabe, N.; Moeck, I.;

Börsing, N.; Scheck-Wenderoth, M.; Kolditz, O.; Huenges, E.

"Modelling of fractured carbonate reservoirs:
outline of a novel technique via a case study from
the Molasse Basin, southern Bavaria, Germany"
(2013 online first)

Environmental Earth Sciences