EMS-98

Die Europäische Makroseismische Skala EMS-98

Die Europäische Makroseismische Skala (EMS-98) bildet die Grundlage zur Bestimmung der Intensität in den Ländern Europas. Die Europäische Makroseismische Skala wurde im Jahre 1998 grundlegend überarbeitet und wird daher als EMS-98 bezeichnet.

Die Geschichte der EMS begann 1988, als der spätere Herausgeber der EMS-98 vorschlug, eine internationale Arbeitsgruppe im Rahmen der Europäischen Seismologischen Kommission (ESC) ins Leben zu rufen, um die MSK-64, die schon seit über 25 Jahren in ihrer ursprünglichen Form in Europa verwendet wurde, zu überprüfen und zu überarbeiten. Die ESC nahm den Vorschlag an, eine solche Arbeitsgruppe zu gründen und entschied, dass die Arbeitsgruppe eine Aktualisierung der Skala im Auftrag der ESC erarbeiten solle. Nach mehr als 3 Jahren intensiver Forschung und Entwicklung sowie einer nahezu fünfjährigen Testphase entstand dann die neue Skala. 1996 nahm die Generalversammlung der ESC in Reykjavik die Resolution zur Einführung der neuen Skala durch die Mitgliedsstaaten der ESC an.

Die MSK-64, die selbst eine Aktualisierung darstellt, basiert auf den Erfahrungen in den frühen 1960er Jahren bei der Anwendung der Mercalli-Cancani-Sieberg-Skala (MSC) von Sieberg (1932), der Modifizierten Mercalli Skala in den Versionen von 1931 und 1956 (MM-31 und MM-56) und der Medvedev-Skala von 1963.

Eine der Hauptintentionen für die Erarbeitung einer neuen Skala war die Beibehaltung der internen Konsistenz der Skala in Bezug auf die häufig verwendeten zwölfgradigen Skalen. Es würde sonst auf Intensitätsbewertungen hinauslaufen, die im Gegensatz zu früheren Anwendungen der zwölfgradigen Skalen stehen und eine Reklassifizierung aller früheren Intensitätseinschätzungen erfordern würden. Das musste unter allen Umständen vermieden werden. Es würde zu großer Verwirrung in allen Studien zu Seismizität und seismischem Risiko führen, die auf makroseismischen Daten beruhen.

Andere generelle Aspekte für die Aktualisierung, die als grundlegend angesehen wurden, sind:

  • die Robustheit der Skala, d.h. kleinere Abweichungen in der Diagnostik sollen keine großen Abweichungen in der geschätzten Intensität ausmachen; weiterhin sollte die Skala als Kompromißlösung verstanden werden, da keine Intensitätsskala alle möglichen Unstimmigkeiten bei der Diagnostik, die in der Praxis auftreten können, einschließen kann;
  • solche Unstimmigkeiten könnten auch Unterschiede in den kulturellen Bedingungen der Regionen, wo die Skala benutzt wird, widerspiegeln;
  • die Einfachheit bei der Benutzung der Skala;
  • die Zurückweisung jeglicher Korrekturen von Intensitäten für Bodenbedingungen oder geomorphologische Auswirkungen, da detaillierte makroseismische Beobachtungen ein Instrument für das Auffinden und die Untersuchung solcher Verstärkungseffekte sein sollten;
  • das Verständnis von Intensitätswerten dahingehend, dass sie als repräsentativ für jedes Dorf, jede Klein- oder Großstadt gelten und keinesfalls nur für einen bestimmten Punkt (für z.B. ein Haus etc.).

Die spezifischen Probleme, die von der Arbeitsgruppe "Makroseismische Skalen" auf der Basis der o.g. Aspekte zu lösen waren, sind:

  • die Notwendigkeit, dass neue Bauwerkstypen einbezogen werden müssen, speziell solche, die erdbebenresistente Designmerkmale beinhalten, da diese in den bisherigen Versionen der Skala nicht berücksichtigt sind;
  • die Notwendigkeit, dass man sich dem wahrgenommenen Problem einer Nichtlinearität in der Skaleneinteilung am Übergang vom Grad VI zu VII zuwenden muss;
  • die Notwendigkeit, die Klarheit des Textes in der Skala zu verbessern;
  • die Notwendigkeit zu entscheiden, welche Vorgaben für die Berücksichtigung von Hochhäusern bei Intensitätsbewertungen zu treffen sind;
  • ob empirische Relationen von Intensitäten mit physikalischen Erschütterungsparametern starker Bodenbewegungen einzubeziehen seien;
  • eine Skala zu gestalten, die nicht nur den Ansprüchen von Seismologen gerecht wird, sondern auch denen von Ingenieuren und anderen möglichen Nutzern;
  • eine Skala zu entwerfen, die auch für die Einschätzung historischer Erdbeben anwendbar ist;
  • die Notwendigkeit einer kritischen Revision der Verwendung von makroseismischen Effekten, die im Boden erkennbar sind (Steinschläge, Risse in feuchtem Boden etc.).

Der Begriff „makroseismische Intensität“ wird hier ausschließlich in der Bedeutung einer Klassifikation der Stärke von Bodenerschütterungen auf der Grundlage von beobachteten Auswirkungen in einem begrenzten Gebiet verwendet.

Im Gegensatz zur Richter-Skala, die die seismische Energie, die ein Erdbeben freisetzt, ausdrückt, beschreibt die EMS-98, wie stark sich ein Erdbeben auf ein bestimmtes Gebiet auswirkt.

Die Europäische Makroseismische Skala ist die erste Intensitätsskala, die zur Kooperation zwischen Ingenieuren und Seismologen anregt im Gegensatz zur alleinigen Nutzung durch Seismologen. Zu der Skala gehören ausführliche Anleitungen, Illustrationen und Anwendungsbeispiele.

Weitere Details zu Hintergrundinformationen, auch zur Entstehung der EMS-98, finden sich in der Einführung (Introduction) zur EMS-98.


Informationen zu den Sprachfassungen der EMS-98


Kontakt

Prof. Dr. G. Grünthal

Sektion 2.6
Erdbebengefährdung und
Spannungsfeld